ALs Dscheha alt wurde, ließ sein Gesicht nach, und er sah nicht mehr so gut wie in seinen jungen Jahren: einst hatte er ein Rebhuhn oder einen Hasen auf fünfhundert Schritt gesehn und mit jedem Pfeil, den er abschoß, sein Ziel getroffen; jetzt aber zitterten seine Hände und er sah nicht mehr so gut. Als seine Freunde diese Zeichen des Greisenalters bemerkten, machten sie sich lustig über ihn. Um ihnen nun den Mund zu stopfen, dachte er sich eine List aus, die wir erzählen wollen.

Er kaufte einen jungen Hund, den er Packan nannte, und richtete ihn auf jede Jagd ab; und er lehrte ihn alles bringen, was er ihm angab. Oft versteckte er am Morgen einen toten Hasen im Gebirge; er zeigte dem Hunde den Ort, wo er ihn hinlegte, und ging mit ihm zurück nach Hause. Gegen Mittag sagte er dann dem Hunde: »Such.« Packan lief ins Gebirge und kam im Nu mit dem Hasen im Maule zurück. Schließlich war der Hund ausgezeichnet abgerichtet. Dscheha wartete den Tag des großen Festes ab, um die Dorfleute zu verblüffen.

An diesem Tage legte er am Morgen einen toten Hasen neben einen Baum, der mehr als fünfhundert Schritt vom Dorfe entfernt war, und zeigte ihn seinem Hunde. Zu Mittag lud er seine Nachbarn ein, den Kaffee vor seiner Tür zu nehmen. Es kamen Leute von allen Seiten, und es war eine große Menge da, als sich Si Dscheha plötzlich erhob und schrie: »He, Freunde! seht ihr dort unten den Hasen neben dem Baume?« Alle machte große Augen und blickten angestrengt hin; da sie nichts sahen, sagten sie zu Dscheha: »Du bist ein Narr; wieso könntest du denn einen Hasen auf diese Entfernung sehn?«

»Ich begreife,« antwortete Dscheha, »daß ihr ihn mit euerm schwachen Gesichte nicht bemerken könnt; aber ich sehe ihn.« Dann wandte er sich an seine Frau: »Bring mir meinen Bogen und meine Pfeile. Ich will einmal diesen jungen Leuten zeigen, daß weder mein Auge, noch mein Arm schwach geworden ist.« Er nahm einen Pfeil und schoß ihn ins Blaue ab. »Ich habe ihn getroffen!« schrie er. Und zu seinem Hunde: »Lauf, Packan, und bring den Hasen; heute Abend wollen wir ihn essen.« Der Hund sprang auf und lief davon. Einen Augenblick später kam er zurück, im Maule einen bluttriefenden Hasen.

Alle Welt war verdutzt. Von nun an machte man sich nicht mehr über Si Dscheha lustig, der das Stückchen noch drei- oder viermal aufführte. Ausnahmslos waren alle überzeugt, daß Dschehas Schießfertigkeit und Sehschärfe verblüffend waren. Und von diesem Tage an ehrte ihn das Volk noch mehr als früher.

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DScheha hatte einen Freund, und das war der einzige Mensch auf der Welt, zu dem er ein volles Vertrauen hatte; er aß und trank sehr häufig bei ihm. Allen andern Menschen mißtraute er.

Eines Tages kam nun sein Freund und sagte zu ihm: »Komm mit mir spazieren gehn.«

»Mein Freund,« antwortete Dscheha, »ich bin nicht frei. Da du jedoch selber gekommen bist, so lasse ich meine Geschäfte und begleite dich. Wäre ein anderer zu mir gekommen, und hätte er mir alle Güter der Erde gegeben, ich hätte ihn nicht begleitet. Da aber du es bist, so kann ich dich nicht also verabschieden.«