[437.]

JUvadi sagte zur Mutter: »Ich gehe auf den Markt.« Die Mutter antwortete: »Kaufe einen Farren.« Sie gab ihm das Geld und Juvadi ging auf den Markt. Er kaufte einen schönen Farren und ging mit ihm nach Hause. Er kam bei den Mönchen vorbei und traf sie auf der Straße; kaum hatten sie ihn gesehn, so sagten sie: »Juva’, wo bist du gewesen?« Und Juvadi antwortete: »Ich bin auf dem Markte gewesen und habe einen Farren gekauft.« Die Mönche antworteten einer nach dem andern: »Ist es ein Farre oder ein Bock?« »Es ist ein Farre.« Es kam ein anderer Mönch dazu: »Juva’, was ist das?« »Es ist ein Farre.« »Ist es ein Farre oder ein Bock?« »Es ist ein Farre und kein Bock; ich habe ihn mit zwanzig Dukaten bezahlt.« Der Guardian sagte: »Willst du ihn mir verkaufen? ich gebe dir zehn Dukaten.« »Wenn es ein Bock ist, so nehmt ihn.« So gab ihm der Guardian zehn Dukaten und er ging nach Hause. Die Mutter sagte: »Was hast du gemacht?« »Ich habe das gemacht: Ich habe einen schönen Farren gekauft, bin bei den Mönchen vorbeigekommen und sie haben mir gesagt, es sei ein Bock; sie haben mir ihn abgekauft und mir zehn Dukaten gegeben.« Die Mutter nahm einen Stock, prügelte Juvadi durch und sagte: »Der Teufel soll dich holen! du hast dich also von den Mönchen beschwatzen lassen?«

Nun verkleidete sich Juvadi als Frau, mit einem Rosenkranze in der Hand, und ging in die Kapuzinerkirche und blieb dort. Als es Nacht geworden war, kam der Sakristan und sagte: »Geh jetzt; ich muß die Kirche schließen.« Er antwortete: »Laß mich aus Barmherzigkeit da schlafen.« »Ich gehe es dem Guardian sagen.« Er ging und der Guardian sagte: »Ja, ja, laß sie da schlafen.« Als es Mitternacht geworden war, ging er sachte, sachte in die Zelle des Guardians, stellte sich vor das Bett, zog einen Knüttel, den er unter dem Kleide verborgen hatte, hervor und begann den Guardian zu verprügeln, indem er sagte: »Ist es ein Farre oder ein Bock? ha? ist es ein Farre oder ein Bock? ha?« Und dabei schlug er tüchtig zu, bis der Guardian halbtot dalag; dann ging er. Am Morgen kamen die Mönche und da fanden sie den Guardian totelend. Alsbald liefen sie um Ärzte, um zu sehn, was es sei.

Juvadi ging nach Hause, kleidete sich als Arzt und ging weg, um vor den Kapuzinern herumzuschlendern. Ein Laienbruder kam heraus und sagte zu ihm: »Wer ist Euere Herrlichkeit?« Juvadi antwortete: »Ich bin ein fremder Arzt; ist hier jemand krank?« Der Mönch ging augenblicklich hinein, es seinen Brüdern sagen, und die ließen ihn hereinkommen. Als er drinnen war und seinen Kranken betrachtet hatte, sagte er: »Der hat Schläge bekommen.«

Nun schickte er alle Mönche, die dort waren, hinaus; der eine ging Kaffee machen, der andere Heilmittel holen. Als Juvadi ganz allein war, zog er den Knüttel unter dem Oberkleide hervor und begann den Guardian zu prügeln und sagte: »Ist es ein Farre oder ein Bock? ha? ist es ein Farre oder ein Bock? ha?« Und er ließ nicht eher von dem Guardian ab, als bis der schier tot war. Dann entwich er. Als die Mönche zurückkehrten und den Guardian in diesem Zustande sahen, begannen sie zu jammern und fragten ihn: »Wer hat dich geschlagen?« Der Guardian antwortete: »Der, der hier war.« Die Mönche sagten: »Wir wollen ihn suchen gehn.«

Und so setzten sie den Guardian auf einen Sessel und machten sich an die Verfolgung Juvadis. Der sah sie von weitem; da sagte er zu einem Manne, der mit dem Karste arbeitete: »Guter Mann, schau wie viel Leute dich prügeln kommen.« Der erschrak, warf den Karst weg und entfloh; nun nahm Juvadi den Karst und begann zu ackern. Die Mönche holten den andern ein und prügelten ihn weidlich durch; und der arme Teufel schrie: »Warum schlagt ihr mich? ich habe euch doch nichts getan.« Juvadi lachte von weitem, warf den Karst weg und ging nach Hause und sagte: »Nun habe ich mich für meinen Farren bezahlt gemacht.«

[438.]

ES war Fastnacht. Juvadis Mutter schlachtete einen Hahn und kochte ihn mit Makkaroni; als Juvadi kam, aßen sie ihn. Nach dem Essen sagte Juvadi zur Mutter: »Mutter, wie heißt das, was wir gegessen haben?« Die Mutter antwortete: »Das war ein Morgensänger.«

Nun hörte Juvadi einen Mann, der auf der Straße sang; er ging hin, tötete ihn und brachte ihn der Mutter. Die Mutter begann zu schreien: »Du Tölpel, das war ein Mensch und kein Morgensänger.« Juvadi sagte: »Macht nichts, Mutter; ich stecke ihn in einen Sack und gehe ihn in eine Schlucht werfen.«