NAsreddin begegnete einmal einem Freunde, den er schon lange nicht gesehn hatte, und der fragte ihn im Gespräche: »Wie gehts dir denn jetzt.«

Nasreddin antwortete: »Nun, ganz gut; mein ganzes Geld steckt in Getreide, was ich an Getreide habe, steckt in Mehl, was ich an Mehl habe, steckt in Brot, und was ich an Brot habe, ist alles in meinem Bauche.«

[462.]

ALs der Hodscha Nasreddin eines Tages in der Moschee auf die Kanzel stieg, richtete einer, in der Meinung, der Hodscha werde antworten können, eine Frage an ihn; aber Nasreddin antwortete ihm, daß er es nicht wisse. Darauf sagte der Fragesteller: »Wenn du das nicht weißt, warum bist du dann so hoch hinaufgestiegen?«

Und Nasreddin gab ihm zur Antwort: »Ich bin so hoch hinaufgestiegen nach dem Maße dessen, was ich weiß; sollte ich aber nach dem hinaufsteigen, was ich nicht weiß, dann, Bruder, würde ich bis in den Himmel kommen.«

[463.]

EInes Nachts hatte der Hodscha einen wunderbaren Traum, und am Morgen ging er sofort zum Kadi. Auf dessen Frage, warum er gekommen sei, antwortete er: »Ich habe heute Nacht einen wunderbaren Traum gehabt.«

»Ists möglich? ists möglich?« staunte der Kadi; »was hast du denn geträumt?«

»Mir hat geträumt, daß du und ich unsere Häuser getauscht haben, und ich habe dir hundert Asper aufgezahlt. Da nun heute alles verkehrt zu verstehn ist, so bleibt mir mein Haus und dir das deine, und ich bitte dich, daß du mir die hundert Asper gibst.«