Noch immer,
abends,
wenn die Sonne purpurn sinkt,
glühn seine Gärten;
vor ihren Wundern bebt mein Herz
und lange … steh ich.

Sehnsüchtig!

Dann naht die Nacht,
die Luft verlischt,
wie zitterndes Silber blinkt das Meer,
und über die ganze Welt hin
webt ein Duft … wie von Rosen!


Ricarda Huch.

Geboren am 18. Juli 1864 in Braunschweig, studierte in Zürich und wurde dort 1891 als eine der ersten Frauen zum Dr. phil. promoviert. – Gedichte 1891. Neue Gedichte 1907.

Sehnsucht.

Um bei dir zu sein,
Trüg' ich Not und Fährde,
Ließ' ich Freund und Haus
Und die Fülle der Erde.

Mich verlangt nach dir,
Wie die Flut nach dem Strande,
Wie die Schwalbe im Herbst
Nach dem südlichen Lande.

Wie den Alpsohn heim,
Wenn er denkt, nachts alleine,
An die Berge voll Schnee
Im Mondenscheine.