Einen guten Grund hat's, daß mein Liebchen
Über alles schön und herrlich ist geraten:
Denn mit Lenztau ward getauft das Bübchen,
Mond und Sonne waren seine Paten.
Sonne setzt' ins Aug' ihm goldne Kerzen:
Wenn er aufschaut, glühen alle Herzen.
Und der Mond küßt' ihm den Mund von ferne:
Wenn er lächelt, klingen alle Sterne.
Isolde Kurz.
Geboren am 21. Dezember 1853 zu Stuttgart als Tochter des Dichters Hermann Kurz; lebt, unvermählt, seit dem Jahre 1877 zumeist in Florenz. – Gedichte 1889. Neue Gedichte 1905.
Südliche Weise.
Du sprichst von Sünde gleich und ew'gen Flammen,
Will ich ein Stündchen nur mit dir verkosen,
Weil noch kein Priesterwort uns gab zusammen.
Doch neulich sprach der Pfaff beim Messelesen, –
Er sprach Latein, drum blieb der Sinn dir dunkel,
Ich aber bin einst Ministrant gewesen.
Er sagte: Fromme Christen, laßt euch raten!
Ihr müßt für jeden ungeküßten Kuß
Einhundert Jährlein in der Hölle braten.
Die erste Nacht.
Jetzt kommt die Nacht, die erste Nacht im Grab.
O, wo ist aller Glanz, der dich umgab?
In kalter Erde ist dein Bett gemacht.
Wie wirst du schlummern diese erste Nacht?