Sahst du Liebchen Hand in Hand beim Abendmond?
Über unsern Leichensteinen
Sahst du uns beweinen
Jene Schar, die froh im Lichte wohnt?

Ihnen strömt der Tränen holder Tau,
Der befreit und löst die Schmerzen,
Wie das Eis im Märzen
Frühlingswinde wonnevoll und lau.“

– „Lenz war droben, da von dannen ich gemußt.
Mit hinab in eure Grüfte
Nahm ich Veilchendüfte:
Diesen vollen Strauß an meiner Brust.“ –

Seht, da ruhn die Danaiden; von der Qual
Muß auch Tantalus sich wenden;
Jäh aus müß'gen Händen
Stürzt der Stein des Sisyphus zu Tal.

Liebesreime.

I.

Nicht der Nachtigall und nicht der Lerche Lied
Kann mich freuen, wenn es klingt das Tal entlang;
Hört' ich jemals wieder einen süßen Klang,
Seit das Schicksal mich von meinem Freunde schied?
Wenn er sprach zu mir und meinen Namen rief,
O, wie wurde mir dabei die Seele weit;
Wenn ich tot einst bin und lieg' im Grabe tief,
Hör' ich's wohl um Mitternacht zur Sommerszeit.

II.

Ich hatte so viel dir zu berichten,
Neuigkeiten, allerhand Geschichten;
Aber nun bist du auf einmal so nah
Mit diesem Kinn und diesen Wangen,
Alle Gedanken sind mir vergangen –
Ach Gott und dein Hals, der weiche, runde,
Nur eine Spanne von meinem Munde,
Den ich so lange, die Lippen zerbeißend, von weitem sah!

III.