Mein Wanderlied.

Zwölf Morgenhellen weit
Verschallt der Geist der Mitternacht,
Und meine Lippen haben ausgedacht
In stolzer Linie mit der Ewigkeit.

Torabwärts schreitet das Verflossene,
Indessen meine Seele sich im Glanz der Lösung bricht,
Ihr tausendheißes, weißes Licht
Scheint mir voran ins Ungegossene.

Und ich wachse über all Erinnern weit.
So fern Musik … und zwischen Kampf und Frieden
Steigen meine Blicke hoch wie Pyramiden,
Und sind die Ziele hinter aller Zeit.

O, meine schmerzliche Lust.

Mein Traum ist eine junge, wilde Weide
Und schmachtet in der Dürre.
Wie die Kleider um den Tag brennen …
Alle Lande bäumen sich.
Soll ich dich locken mit dem Liede der Lerche
Oder soll ich dich rufen wie der Feldvogel
Tuuh! Tuuh!
Wie die Silberähren
Um meine Füße sieden …
O, meine schmerzliche Lust
Weint wie ein Kind.

Maienregen.

Du hast deine warme Seele
Um mein verwittertes Herz geschlungen,
Und all seine dunkeln Töne
Sind wie ferne Donner verklungen.

Aber es kann nicht mehr jauchzen
Mit seiner wilden Wunde,
Und wunschlos in deinem Arme
Liegt mein Mund auf deinem Munde.

Und ich höre dich leise weinen,
Und es ist – die Nacht bewegt sich kaum –
Als fiele ein Maienregen
Auf meinen greisen Traum.