Erinnerung.
Zünd festlich im Salon die Kerzen an,
Zieh aneinander erst des Vorhangs Spitzen,
Ich schiebe zum Kamin die Sessel dann,
Dort laß uns, uns umarmend, niedersitzen.
Denn sieh, an solchem Winterabend oft
Bin als Student ich durch die Stadt gegangen.
Mein Auge, das Erfüllung nie gehofft,
Ist oft an solchen Lichtes Schein gehangen.
An Lampenschein, der mild ins Dunkel bricht,
An Fenstern, draus ich frohe Stimmen hörte,
An Schatten hinterm Vorhang, eng und dicht,
Indes die Sehnsucht drunten mich verzehrte.
Heut ist ein solcher Abend, kalt und rauh,
Das Glück vertieft sich mir in diesen Räumen:
Lehn fest dein Haupt an mich, geliebte Frau,
Recht fest an mich – und laß mich träumen, träumen!
Frühlingsfeier.
Ein Blütenzweig, blaßrosa, weiß und grün,
Die Welt hat tausend solcher Blütenäste,
Da darf der eine auch für uns erblühn
Und darf verblühn bei unserm Liebesfeste.
Befrei das schwere Haar von Kamm und Band
Und laß die schwarzen Fluten niederwallen
Auf dieses blumenhelle Lenzgewand,
Und laß die neidischen Achselspangen fallen!
Nun nimm den Blütenzweig – wie wunderbar
Die Blüten glühn von deines Pulses Schlägen! –
Und rühre mir die Stirne und das Haar
Und sprich dazu den heiligen Frühlingssegen:
„Blick auf, der Lenz ist kommen über Nacht,
Die Welt ist voll von Liebe und Erbarmen!“
Ich blicke auf; der Frühling ist erwacht;
Ich halt' den ganzen Frühling in den Armen!