Leise laß sie ihren Reigen führen,
Ohne ihre Schwermut anzurühren.

Laß sie träumend dir vorüber hasten,
Ohne ihre Leere zu belasten.

Sorge nicht, sie heute zu verstehen,
Denn dir wird wie ihnen bald geschehen.

Freue dich, daß sie dich nicht erreichen,
Morgen, morgen bist du ihresgleichen.


Gustav Schüler.

Geboren am 27. Januar 1872 zu Kgl. Reetz im Oderbruch. – Gedichte 1900. Meine grüne Erde 1904. Auf den Strömen der Welt zu den Meeren Gottes 1908. Mitten in der Brandung 1911. Von Stundenleid und Ewigkeit 1914.

Unterdessen.

Schönheit ist Atem. Aber Brot ist Brot.
Und Tausend hungern. Und die Mühlen mahlen.
Und Königstische wissen nichts von Not.
Und Tausend beten nachts zu ihren Qualen.

Und Mütter fiebern, wie kein Fieber schlägt,
Weil ihre Kinder schwer im Schlafe wimmern.
Die Mütter hören's, daß man Bretter trägt,
Um einen rohen Armensarg zu zimmern.