Und unterdessen lauscht die heilige Nacht,
Und unterdessen wird das Licht erkoren,
Und unterdessen hat die Schönheit acht
Auf jede Perle, die der Tau geboren.
Mignon.
Wer in die Nacht geht, müßt' mich sehn
Am Wege auf dem Stein –
Mein Krug und Wanderstecken stehn
Im hellen Mondenschein.
Die Schuhe hab' ich abgetan,
Das Haar ist aufgelöst,
Ich hab', als wüßt' ich keinen nahn,
Auch meine Brust entblößt.
Der Nachthauch kühlt mich wie ein Bad.
Alle Wanderer ferne gehn. –
Nur wer die Erde begraben hat,
Kann mich hier sitzen sehn.
Am Abend.
Komm, denn der Abend kommt.
Wir haben ihn so wild ersehnt.
Nun ist er da. Wie er im Mantel
Sich an die alten Pappeln lehnt.
Jetzt schlägt er seine Wimpern auf
Und sieht uns an und nickt uns zu.
Hat er nicht ganz dieselben Augen,
Nicht ganz denselben Mund wie du?
Am Kreuzweg.
Vom Dorf her durch die Nacht erklingt Gesang:
Ein altes deutsches wehes Liebeslied,
Von Lieb' und Not
Und Treu' und Tod.
Ein Schatten, der am Kreuzweg zieht,
Lauscht lang'.
Der Kauz schrie so entsetzlich schrill,
Der hat ihn auch gesehn.
Das Lied schweigt still.
Der Schatten bleibt noch immer stehn.