Glück.
Nun sind vor meines Glückes Stimme alle Sehnsuchtsvögel weggeflogen.
Ich schaue still den Wolken zu, die über meinem Fenster in die Bläue jagen –
Sie locken nicht mehr, mich zu fernen Küsten fortzutragen,
Wie einst, da Sterne, Wind und Sonne wehrlos mich ins Weite zogen.
In deine Liebe bin ich wie in einen Mantel eingeschlagen.
Ich fühle deines Herzens Schlag, der über meinem Herzen zuckt.
Ich steige selig in die Kammer meines Glückes nieder,
Ganz tief in mir, so wie ein Vogel, der ins flaumige Gefieder
Zu sommerdunklem Traum das Köpfchen niederduckt.
Leo Sternberg.
Geboren am 7. Oktober 1876 zu Limburg a. d. Lahn. – Küsten 1904. Fahnen 1907. Neue Gedichte 1908.
Der Wartende.
Geöffnet sind meine Fenster;
Ich trete zum einen, zum andern –
Aber der Vogel der Ferne
Fliegt nicht herein.
Ich schließe die Augen und sage
Mir fest: „Er kommt nicht!“ Ich denke:
Plötzlich schlägst du den Blick auf,
Und – er ist da! …
Und – er ist nicht da! Vergebens!
Wieder warten! Warten!
Durch die verengte Kehle
Drückt sich ein Kiesel hinab.
Wie, wenn es Nacht würde? Nein! …
– Herz, wie du eilst! – Und ich müßte
Schließen die Fenster? Der Vogel
Käme nicht mehr? …