Sie zieht um mich den Zauberkreis
Von Wunsch und Wahn;
Sie spricht wie du so scheu und leis;
Sie starrt mich an so traurig heiß,
Wie du getan.

Kein Liebeswort …

Kein Liebeswort ist zwischen uns gefallen.
Du hast mir nicht einmal die Hand geküßt,
Wie mancher tat, der mir nicht teuer war.
Ich sprach mit dir wie mit den andern allen.
Der du mir Licht und Luft gewesen bist
Und Lebensodem dieses ganze Jahr.

Doch das, was deine Augen mir verkündet,
Die leuchtenden Verräter, halt' ich fest,
Sowie in Sturm und Schnee ein armes Kind
Sein Püppchen hält und wunderherrlich findet
Und immer wieder zärtlich an sich preßt,
Neidlos auf die, die reich und glücklich sind.


Georg Trakl.

Geboren am 3. Februar 1887 zu Salzburg, gestorben am 3. November 1914 im Garnisonlazarett zu Krakau. – Gedichte 1914. Sebastian im Traum 1914. Gesammelte Dichtungen 1919.

Der Herbst des Einsamen.

Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle,
Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen.
Ein reines Blau tritt aus verfallener Hülle;
Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen.
Gekeltert ist der Wein, die milde Stille
Erfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen.