Geboren am 10. September 1890 zu Prag. – Der Weltfreund 1911. Wir sind 1913. Einander 1915. Gesänge aus den drei Reichen 1917. Der Gerichtstag 1920.

Wie nichts erkennend.

Ich reichte einem Kranken meine Hand
Und gab ihm Wunsch und Mitgefühl bekannt.
Doch während treulich meine Worte waren,
Sprach wohl ein Herz, das nur sich selbst empfand.
Mittäglich sah ich einen Droschkenstand,
Wo sich beweglich alte Gäule sonnten.
Da hat ein klarer Kopf sich umgewandt
Und tief durchfühlt traf mich ein schweres Auge.
Bin aber dumpf des eigenen Wegs gerannt
Und nicht durchfloß mich dieses Bruderleben.

Am Abend hab' ich heißes Wort genannt.
Verzweiflung, Liebe, Sehnsucht nannt ich mein.
Hah, Mein und Mein! Und immer diese Wand!
Warum bin ich nicht durch die Welt gespannt,
Allfühlend gleicherzeit in Tier und Bäumen,
In Knecht und Ofen, Mensch und Gegenstand?!
So ist's mein Teil, sternhaft dahinzurollen,
Gebunden zwar, doch niemandem verwandt,
Wie nichts erkennend, so auch unerkannt.

Verzweiflung.

Nacht kam herein.
Und morgen, wähnen wir, ist Tag.
Da gehn die Wagen wieder
Und an den Türen läutet es.

Die Mutter mein sitzt da.
Ihr Antlitz ist nicht meins.
Sie redet viel an mich.
Ich denk an fremdes Nichts.

Die Schwester mein lacht auf.
Leicht könnte ich sie hassen.
In meiner Öde brodelt
Schon ein gemeines Wort.

Ich bin so zugebaut!
Und alles rauscht nach Liebe.
Ich auch nach Liebe weine
Und hab doch keinen gern.

Welche Lust auf Erden denn ist süßer.