Du weißt, wir bleiben einsam: Du und ich,
Wie Stämme, tief in Gold und Blau getaucht,
Mit freien Kronen, die der Seewind küßt …
So nah, doch ganz gesondert, ewig zwei.
Doch zwischen beiden webt ein feines Licht
Und Silberduft, der in den Zweigen spielt,
Und dunkel rauscht die Sehnsucht her und hin …

Ostsee.

Da lieg' ich an dem weißen Ostseestrande.
Das Meer … Das Meer! Mein wahrgewordner Traum!
Ich bin vergraben in dem feinen Sande
Und bin nur Wind und Welle, Sturm und Schaum.

Und meine Wunschgedanken lass' ich gleiten
Hinauf-, hinunterwärts die grüne Bahn.
O meines jungen Traums Unendlichkeiten!
Ein Hauch bewegt der Sehnsucht goldnen Kahn.

Mein Kahn ist ganz mit Wein und Obst beladen
Und voll Musik: von Gott und Welt und Mut,
Und von des Meeres königlichen Gnaden
Und von der Kraft, die lächelnd in mir ruht!

Tote Stunde.

Menschen sterben von mir ab wie Blüten
Meines lieben Baumes vor dem Fenster.
Gestern war er noch voll rot und weißen
Glanzes, sieh, nun ist er grün und keimend.
Hat ein Wandrer an dem Stamm geschüttelt –
Solch ein aufrecht-großer Lebensschreiter?
Sprach zu laut ein Vogel im Gezweige?
Murmelte der Wind zur Nacht von neuen,
Ahnungsvollen, ungewissen Dingen –
Und die Blüten stoben hin erschrocken
Und sie fielen weit, weit ab und starben …


Alfred Wolfenstein.

Geboren am 28. Dezember 1888 zu Halle. – Die gottlosen Jahre 1914. Die Freundschaft 1917. Die Nackten 1917. Menschlicher Kämpfer 1919.