Am Flusse.

Trauernd stehst du an des Flusses Rande,
Trauernd führt mein Weg am andern Ufer:
Keiner weiß, ob ihn der andre riefe;
Allzu heftig rauschen die Gewässer.

Wollen wir ein Boot vom Strande ketten,
Du vom rechten, ich vom linken Strande?
Wollen wir dann in des Stromes Mitte
Leichten Ruderschlages uns begrüßen?

Wollen wir die Wasser abwärts gleiten,
Boot an Boot, und nur gelinde lächelnd,
Bis das Meer in großem Glanz sich auftut
Und wir stehn und beide weinen müssen?

Und abermals wirst du …

Und abermals wirst du geboren werden
Auf andern Sternen, deiner selbst nicht kundig,
Und wirst die Wege gehen allen Lebens,
In Schmerzen bald und manches Mal in Lächeln.
Doch steigt aus Dämmerungen einer Nacht
Gleichwie aus Schächten, die verschüttet sind,
Ein Bildnis auf, ein Schatten und ein Ruf,
So wisse du: Der Bruder ruft nach dir,
Der abermals dem Tode sich entrang
Gleich dir und abermals das Leben wandelt
Auf andern Sternen fern und trauervoll.

Die Andern.

Wir haben wohl ein Lachen um die Lippen
Und gehen gleichen Mutes durch das Leben,
Und ihr in Tränen und Erschütterung;
Und eines Tages ist es dann geschehen:
Als eure Tränen immer heißer strömten,
Die müden Häupter immer tiefer sanken,
Da waren euch die Schwingen längst gewachsen,
Da waret ihr im Äther längst entschwunden,
Da wußten wir und brannten allzu wissend:
Daß Glückes mehr in euern Tränen sei
Als in dem Lachen unsrer armen Seele.


Hermann Conradi.