Morgenstunde.

Ob du wohl auch so schlaflos liegst
Und dich in wachen Träumen wiegst,
Vor Glück, wie sehr die Sehnsucht brennt?
Ich starr ins dunkle Firmament:
Der Morgenstern, in großem Bogen,
Ist langsam längst heraufgezogen
Und läßt mich lächelnd fühlen, was uns trennt.

Vor meinen schwachen Augen
– Nun weiß ich doch, zu was sie taugen –
Strahlt er, je höher her, je flimmernder.
Weihnächtig glänzt die graue Stille.
O zögre, Alltag! Ohne Brille
Sieht man die Welt unendlich schimmernder.

Schon aber glitzert sein Gezitter blasser;
Nun steh' ich auf und geb' der Lilie Wasser,
Die du mir gestern heimlich brachtest.
Und wenn du mich dafür auslachtest:
Sanft nehm' ich sie von ihrer Stätte
Und leg' sie auf mein warmes Bette
Und fühle lächelnd, wie du nach mir schmachtest.

Erhebung.

Gib mir nur die Hand,
Nur den Finger, dann
Seh' ich diesen ganzen Erdkreis
Als mein Eigen an!

O, wie blüht mein Land!
Sieh dir's doch nur an,
Daß es mit uns über die Wolken
In die Sonne kann!

Bewegte See.

Noch einmal so! Im Nebel durch den Sturm:
Das Segel knatterte, die Schiffer schrien,
Am Bugspriet stand das Wasser wie ein Turm,
Ich fühlte deine Angst in meinen Knien
Und sah dein stolz und fremd Gesicht.

Noch einmal wollte mir dein Auge drohn,
Wie eine Flamme stand dein Haar im Winde,
Doch in den Wellen rang ein Ton
Wie das Gewein von einem Kinde –
Da wehrtest du mir nicht: