Gehen und Bleiben.

Mancher ist betrübt gegangen
In die Winternacht hinaus,
Sah mit zehrendem Verlangen
Heller Fenster freundlich Prangen,
Lichterfülltes, warmes Haus.

Hinter jenen hellen Scheiben
Sah ein anderer ihm nach,
Starrte in das Flockentreiben …
„Freiheit“, seufzt er, aber „Bleiben,
Bleiben“ stöhnt das schwere Dach!

Eine Widmung.

Mein Herz so ganz in dir beglückt,
Mit Märchenblumen ausgeschmückt,
Ein dir geweihter Schrein:
Wenn auch die Früchte nicht gereift,
Weil sie der Frost zu früh gestreift,
Die Blüten waren dein, mein Herz,
Die Blüten waren dein.

Die fremde Blume.

So lange blieb sie festgeschlossen, stille,
Als wäre alle Kraft in ihr erstorben,
Es fehlte ihr zum Blühen Lust und Wille,
Seit der berühmte Gärtner sie erworben.

Sie stand im Garten rein und wohlgehalten,
Ein Paradies mit grünlackierten Kannen,
Wo alle Blumen pünktlich sich entfalten
Und Menschenhände sie auf Stäbe spannen.

Man warf sie endlich fort, ein armes Mädchen
Stellt' sie aufs Fensterbrett im kleinen Zimmer,
Die Tauben gurrten dort am grünen Lädchen,
Der Kirchturm schien so nah im Abendflimmer,

Doch Menschenstimmen klangen nur von ferne,
Und rings versank des Lebens Hast und Mühen,
Ein warmer Regen fiel, dann zündeten die Sterne
Ihr Freundeslicht … da fing sie an zu blühen!