„O Erde, Erde, die du trankst mein Blut,
Wie warst du voller Süße und wie gut,
Daß du mich mit den Händen an die Pole angeschlagen,
Und ich dich wie ein Kreuz durchs Leben mußte tragen.
Ich war dein Acker, du Erde, du pflügtest ihn gut.
Aus allen Poren erschoß mein Blut.
Jahrtausende rollten, zerrissen das Herz in der Brust,
Zerrissen die Liebe, die Qual, den Stolz und die Lust,
Bis ich um deines Erdinnern Feuer gewußt,
Bis ich den großen Planeten in Liebe umpreßt.
Noch über mein letztes Sterben halt ich dich fest.
So nehmt, ihr springenden Bäche, aus mir euern Lauf.
Es blühen aus meinem Blute alle Blumen auf.
Ich grüne und dufte aus jedem Rosenstrauch
Und bin die Frucht in dem goldenen Sonnenrauch,
Und bin das Eine, das All, bin Tod und Geburt.
O sing meinen Dank, du kleine Hummel, die surrt,
Umfliege dankend die Erde, die mich getragen hat.
Sieh, meine Seele ist müde wie ein herbstliches Blatt.
Gesegnet seist du Welt, gesegnet jeder Strauch,
In dem jetzt Gott verbrennt im roten Rauch.“
Grüner Sommer.
Die Hand ganz lang im Grase ausgebreitet
Und hoch vor ihr die Welt, sich selbst geschenkt.
Es steigt mein Blut, es sinkt mein Blut,
Zu fernem Meere tief verbunden hingelenkt.
Wie tut das Blut sich gut in dieser ausgeschwärmten Ruhe.
So flach ist mein Gesicht, ganz ausgeweitet.
Gott selbst liegt neben mir und ruht sich aus.
Auf mich senkt sich die Müdigkeit des Blaus,
Und in dem Sonnenfieber meiner Sinne
Staut schläfrig sich das dunkle Blut.
Wie einer Grille Geigen klingt mir Gottes Wort,
Wie Bachgelächter hier: „Die Welt ist gut“,
Und lächelnd trägt es mich ins Träumen fort.
Gott rekelt sich in dieser ausgeschwärmten Ruhe.
Ein Reh kommt sanft an ihm vorbeigezogen.
Ein Käfer ist ihm ins Gesicht geflogen.
Heupferdchen springt vom Gras auf seine Schuhe
Und zirpt an ihm vorbei: „Erschrick, erschrick!“
Gott aber ist nach tausend Schöpfungsjahren
Zum ersten Tag der Ruhe ausgefahren,
Und lächelnd ruht auf seiner Welt der Blick.
Ich wache auf. Der Donner grollt.
Mein Blut hat ausgetollt.
Mein Mut wird nicht verführt. Es schweigt der Wille.
Und eine Grille geigt von neuem mich in eine grüne Stille.
Frühlingsmond.
Noch hängt ein scheues Vogellied im dünnen Laubgeäste
Und wird ein großer Wind. Mit mächtiger Gebärde
Stößt die Erde, die längst den heißen Saft
In Millionen Samenkörner preßte,
Geburten aus in Mutterleidenschaft
Und trägt den ewigen Rhythmus ihrer Riesenkraft,
Die ewige Not, zum Jubel eines ewigeren Werde.
Jetzt bäumen Meere ihre Pantherleiber.
Die Sterne stürzen zum Planetenball.
In diesen Nächten stöhnen tausend Weiber
Und werfen tausend Kinder in das All.
Der Hochgebirge Wollust sind Lawinen.
Die Quellen sind der Täler Blütenlauf.
Den Duft von Wäldern tragen junge Bienen,
Und Tage tauen blau zu Blumen auf.
Geliebte gehn mit weißen Brüstehügeln
Und einem Lächeln, das von selbst begann,
Durch süße Nächte, gehen wie mit Flügeln
Und tragen sich wie ein Geschenk zum Mann.
Ein scheues Vogellied hängt noch im Laubgeäste.
Vom Horizonte schwebt der junge Mond
Wie eine Knospe, die sich zärtlich schont,
Und horch, der Vogel ruht in seinem Neste.
Der Knospenmond blüht erst zum Sommerfeste.
So schwimmt er sanft auf taubenblauem Dunst.
Der Abend, der die Seelensehnsucht an ihn preßte,
Verheißt uns schon die Rose seiner Gunst.