Abend am See.

Schon taucht der Mond aus dem entzückten Bade
Der Wellen leis zur Silberbahn empor.
In unsern Herzen schwingt die große Gnade.
Wir sitzen seligruhend am Gestade
Und leihn dem Schweigen das geweihte Ohr.
O wunschlos stille Stunde, die ich fast verlor
In meines Lebens Kampf und Qual und Hast,
Sieh unser Herz in Demut eingefaßt
Und sei der Seelen seltner schöner Gast.
Die Nacht erduftet von des Mondes Blüte
So grenzenlos. Andächtig atmen wir.
Der Sternenhimmel deiner großen Güte
Ist sanft wie sie und leise über mir.
Aus wunden Händen haben wir die Ruder
Zurückgelegt in das bewegte Boot.
Nach unsres Lebens Haß und Schuld und Not
Nennst den Geliebten still du deinen Bruder.

Du Gott.

Du Gott, ich hasse dich in meinen schwersten Stunden,
Der wie Gebirge mir auf meiner Seele wuchtet.
Die Erde meines Leibes reißt du auf in Wunden.
Zu tiefer Täler hartem Abgrund schluchtet
Mir deine schwere Hand die schönen runden
Kugeln der leichten Tage. Die ihr Gott verfluchtet,
In jeder Not von tausend Todesstunden
Steht Gott vor euch, den ihr so leicht versuchtet.

Und dieses weiß ich, daß ich dein bin, dein, ganz dein.
Was frommt es, zu entfliehn zu leichten Tänzerein,
Zur Heiterkeit der Fraun, zu einem Fest?

Aus meinem Haß hörst du nur Liebe schrein,
Daß ich ganz dein bin, dein in Pein und Tänzerein,
Daß ich dein Acker bin, dein Feind, dein Glanz und Fest.

Der Teich.

Nur der Wind weiß, wie ich einsam leide,
Wie die Luft, der Himmel mich beschwert.
Bruder Wind, wir flogen einmal beide
Durch die Luft und durch den Himmel hin.
Unsres Fliegens Wollust war gemeinsam.
Ewige Fernen haben uns genährt.
Wasserwolken haben mich getragen,
Bis in Regenfunken ewig einsam
Ich vom Wolkenflug zur Erde glitt.
Bruder Wind, nimm du jetzt meine Klagen,
Wie die leichten Wolken meine Seele,
Meine schöne Seele, mit.


Max Herrmann.