Ich sage dir, es gibt nichts Lustigres
Als hier im Zimmer auf und nieder gehn,
Sich Wein einschenken, essen, schlafen, küssen
Und draußen an der Tür den wilden Atem
Von einem gehen hören oder einer,
Die lauert und in der geballten Faust
Den Tod hält, deinen oder ihren Tod! …
Arno Holz.
Geboren am 26. April 1863 zu Rastenburg in Ostpreußen. Lebt seit 1875 in Berlin. – Buch der Zeit 1885. Phantasus I und II 1898 und 1899. Große „Insel“-Ausgabe 1916. Des berühmbten Schäffers Dafnis sälbst verfärtigte, sämbtliche Freß- Sauffund Venus-Lieder benebst angehänckten Auffrichtigen und Reuemächtigen Buß-Thränen 1904. Das ausgewählte Werk 1919.
Ein Abschied.
Sein Freund, der Türmer, war noch wach,
wie Silber gleißte das Rathausdach,
und drüber stand der Mond.
Er wußte kaum, wie schwer er litt,
doch schlug ihm das Herz bei jedem Schritt,
und das Ränzel drückte ihn.
Die Gasse war so lang, so lang,
und dazu noch die Stimme, die über ihm sang:
Wann's Mailüfterl weht!
Jetzt bog sich ein Fliederstrauch über den Zaun,
und die Mutter Gottes, aus Stein gehaun,
stand weiß vor dem Domportal.
Hier stand er eine Weile still
und hörte, wie eine Dohle schrill
hoch oben ums Turmkreuz pfiff.