Um einen verstärkten Druck auf die Pforte auszuüben, überreicht er der Pforte

das Memorandum vom 9. August.

Er schreibt darüber an den Reichskanzler (12. August):

„Die systematische Niedermetzelung der aus ihren Wohnsitzen vertriebenen armenischen Bevölkerung hatte in den letzten Wochen einen derartigen Umfang angenommen, daß eine erneute eindringliche Vorstellung unsererseits gegen dieses wüste Treiben, das die Regierung nicht nur duldete, sondern offensichtlich förderte, geboten schien, zumal da an verschiedenen Orten auch die Christen anderer Rassen und Konfessionen nicht mehr verschont wurden.“

Zugleich bittet der Botschafter, zur Unterstützung seiner Schritte auch den neuen türkischen Botschafter in Berlin auf die Folgen der Armenierpolitik seiner Regierung und auf den deutschen Standpunkt in dieser Sache aufmerksam zu machen.

Das Memorandum von 9. August erinnert zunächst an die (von der Pforte unerwiderte) Denkschrift vom 4. Juli und fährt dann fort:

„Die Deutsche Botschaft bedauert, feststellen zu müssen, daß nach den Mitteilungen, die sie aus unparteiischen und glaubwürdigen Quellen seitdem erhalten hat, derartige Vorfälle (Gewalttaten, Massakres, Plünderungen) statt von den Lokalbehörden verhindert zu werden, regelmäßig auf die Austreibung der Armenier gefolgt sind mit dem Erfolge, daß die Mehrzahl derselben umgekommen ist, noch ehe sie das Ziel ihrer Bestimmung erreicht hatte. Hauptsächlich sind es die Provinzen Trapezunt, Diarbekr und Erzerum, von wo diese Tatsachen gemeldet wurden; an gewissen Plätzen, wie in Mardin, haben alle Christen ohne Unterschied der Rasse und Konfession dasselbe Schicksal erlitten.

„Zugleich hat die Kaiserlich Ottomanische Regierung geglaubt, die Maßregel der Verschickung auf die anderen Provinzen von Kleinasien ausdehnen zu müssen, und ganz zuletzt sind die armenischen Dörfer der Distrikte von Ismid in der Nähe der Hauptstadt unter ähnlichen Bedingungen von ihren Bewohnern ausgeräumt worden.

„Angesichts dieser Vorgänge ist die Deutsche Botschaft im Auftrage ihrer Regierung verpflichtet, noch einmal gegen diese Schreckensakte Verwahrung einzulegen und die Verantwortlichkeit aller Folgen, die daraus hervorgehen können, abzulehnen. Sie sieht sich um so mehr genötigt, die Aufmerksamkeit der Ottomanischen Regierung auf diesen Punkt hinzulenken, als die öffentliche Meinung schon zu dem Glauben gelangt ist, daß Deutschland in seiner Eigenschaft als befreundete und verbündete Macht der Türkei diese Gewalttaten gebilligt oder gar inspiriert hätte.“

Auch auf dies zweite Memorandum blieb die Pforte die Antwort schuldig.