An Deutsche Botschaft, Konstantinopel.

Der armenischen Bevölkerung Urfa droht Verschickung, hat aber beschlossen, den Greueln des Verschickunsgtodes sofortiges Ende vorzuziehen und sich verbarrikadiert. Fachri Pascha soll selbst in Urfa sein, hat Armenierviertel blockiert und Zerstörung durch Artillerie angeordnet. Fortschritte der türkischen Truppen sollen bisher gering sein. Deutsche in Urfa wohlbehalten.

Hoffmann.

181.

(Kaiserlich
Deutsche Botschaft.)

Telegramm.

Abgang aus Pera, den 13. Oktober 1915.
Ankunft in Berlin, den 14. Oktober 1915.

Der Kaiserliche Botschafter an Auswärtiges Amt.

Von Seiner Heiligkeit dem Papst ist an den Sultan ein Handschreiben gerichtet worden, in welchem dessen Mitleid für die verfolgten Armenier in Anspruch genommen wird. Monsignore Dolci war von der Kurie beauftragt, dem Sultan das Handschreiben in besonderer Audienz zu übergeben. Da die Pforte in der päpstlichen Kundgebung eine Kritik ihrer eigenen Politik erblickte und den Standpunkt einnahm, daß, solange die diplomatischen Beziehungen nicht hergestellt seien, der päpstliche Delegierte nicht offiziell vom Sultan empfangen werden könne, hatten seine Bemühungen bisher keinen Erfolg. Auf Bitte Dolcis habe ich dem Großwesir vorgestellt, daß gerade das päpstliche Handschreiben der Pforte Gelegenheit biete, in ihrer Antwort den türkischen Standpunkt zu der Armenierfrage darzulegen. Der offizielle Empfang des Delegierten durch den Sultan werde überall den Eindruck hervorrufen, als ob die diplomatischen Beziehungen im Begriff ständen, hergestellt zu werden oder hergestellt seien.

Der Großwesir ließ sich überzeugen und stellte in Aussicht, daß Audienz gewährt werde.