265.

(Kaiserliches
Konsulat Aleppo.)

Telegramm.

Abgang aus Aleppo, den 12. Mai 1916.
Ankunft in Pera, den 12. Mai 1916.

An Deutsche Botschaft in Konstantinopel.

Mutessarrif von Marasch, der bisher den Armeniern gegenüber milde war, hat einer deutschen Schwester folgendes erzählt: „Armenier seien aufgegriffen, die sich als Syrer ausgaben und im Besitze neuer englischer Waffen waren. Verhör durch Mutessarrif persönlich habe ergeben: Sie gehören einer geheimen Verbindung an, die Beziehungen zu Russen und Engländern habe. Sie gaben viele Namen an, auch eine Straße und Haus in Aleppo, wo Waffendepot sein sollte, das auch tatsächlich gefunden worden sei.“

Offenbar handelt es sich um Leute, die sich aus der Verschickung einzeln in die Zeitungegend zurückgeschlichen haben. Nach hiesiger Version ist mit Waffen desertierter Soldaten zu geschäftlichen Zwecken Handel getrieben worden, wobei auch Muhammedaner und Juden beteiligt waren.

Wali von Aleppo hat erklärt: „Djemal Pascha habe auf diese Vorgänge hin Befehl gegeben, Marasch ganz zu räumen, und von Aleppo alle ausgewiesenen von außerhalb ohne jede Ausnahme weiter zu schicken, während die in Aleppo ansässigen Armenier, weil tatsächlich schuldlos, ausgenommen seien.“

Außerdem sollen die hiesigen 1400 Waisenkinder zum Teil vom jungtürkischen Komitee übernommen, zum Teil nach Konia, Eskischehir, Konstantinopel geschickt werden.

Wali will beantragen, daß der Schwester Rohner 100 oder wenigstens 50 Waisen belassen werden, mit denen sie wahrscheinlich nach Konia übersiedeln soll.