Kaiserlich
Deutsches Konsulat

Adana, den 13. März 1915.

Euerer Exzellenz beehre ich mich, in der Anlage eine von meinem Gewährsmann verfaßte Darstellung der Umtriebe in Dörtjol gehorsamst zu überreichen.

Irgend welche Haftung für die Zuverlässigkeit des Berichtes vermag ich nicht zu übernehmen, glaube aber, daß die Sache im ganzen zutreffend geschildert ist.

Büge.

Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen Botschafter
Herrn Freiherrn von Wangenheim, Konstantinopel.

Anlage.

Die Unruhen in Dörtjol.

Die Gegend von Dörtjol ist mit wenigen Ausnahmen von Armeniern bewohnt und ist von türkischen Wohnstätten umgeben. Die Bevölkerung lebt ausschließlich von Orangenkultur und hat in diesem Jahre wegen des allgemeinen Krieges das einzige Produkt ihrer Arbeit nicht an den Markt bringen können. Während der Mobilmachung hatten die Bewohner von Dörtjol entweder dienen oder „Bedel“[38] zahlen müssen. Wegen des allgemeinen Geldmangels haben sich die Leute nicht helfen können und haben viele von ihnen, anstatt der militärischen Einladung Folge zu leisten, desertiert. Manche von den Deserteuren haben das Weite gesucht, aber auch viele sind an ihrem Wohnort geblieben.