30. August.

Seit 10 Tagen haben wir den Südostpassat verloren, und rücken nur langsam fort. Der Himmel ist bedeckt, der Barometer gefallen, der Wind veränderlich. Wir sahen unter der Linie einige Wallfische, sie glichen von weitem einem großen umgekehrten Schiffe, das mit den Masten nach unten liegt. Sehr schön nahmen sich die hohen von ihnen ausgeworfenen Wasserstrahlen aus. Sie bildeten, ehe sie wieder niedersanken, einen majestätischen Bogen im herrlichsten Farbenspiel.

Vorige Nacht hätten wir beinahe ein großes Unglück gehabt. Der eine Ostindienfahrer war nämlich vom Curse abgekommen, und schoß in der Nacht kaum anderthalb Fuß vor unserm Vorderstewon[27] vorbei. Wir haben Wassermangel, so eben höre ich aber, daß man uns vom Kriegsschiffe drei große Fässer zugeschickt hat. Nun so will ich mir denn seit 8 Tagen den ersten Thee wieder machen, der mir wie Nektar schmecken soll.

9. September.

Der Capitain hat die Luken öffnen lassen, um nach der Ladung zu sehen. Es ist viel Seewasser eingedrungen, der Schaden scheint größer als man geglaubt hat. Dies ist aber sehr natürlich, da alles unter einander geworfen worden war. So liegen die Kisten mit den feinen Tüchern oben auf. Auch die meinigen sind bis auf den Grund durchnäßt. Die Bücher z. B. bilden nichts als eine verschimmelte Masse, so daß ich sie nur ins Meer werfen kann. Die Matrosen sind jezt beschäftigt, das Schiff anzumalen, und bringen überall, wo sichs nur schicken will, eine Stückpforte an. Wir sollen von weitem recht furchtbar aussehn, damit sich kein französischer Kaper an uns macht. Unsere Fahrt war bei dem veränderlichen Winde langweilig genug. Allein gegen Ende der vorigen Woche bekamen wir den Westpassat, und nun geht es fröhlich den europäischen Gewässern zu.

27. September.

Gestern war ein angstvoller Tag für uns. Ohngefähr auf der Höhe von Kap finisterre rief uns am 24. ein englischer Kutter an. Er gab uns Nachricht, daß der ganze Golf von Biscaya, und besonders die Einfahrt des Kanals mit französischen Kriegsschiffen bedeckt sey. Sie hätten den größten Theil eines nach Westindien bestimmten Convoys genommen, und sich sogar an der englischen Küste gezeigt. Der Capitain unseres Kriegsschiffes hielt es daher fürs beste, seinen Kurs so nördlich als möglich zu nehmen, theilte indessen auf jeden Fall die nöthigen Befehle aus.

Gestern um 9 Uhr Morgens tauchten in großer Entfernung einige Kriegsschiffe auf. Man sah sie allgemein für englische an. Allein um 1 Uhr Nachmittags zeigte sich leider das Gegenteil. Es waren 3 französische Fregatten, von denen die eine mit vollen Segeln auf unser Kriegsschiff zukam. Indessen dauerte es doch noch fast eine Stunde, ehe das eigentliche Gefecht seinen Anfang nahm. Es scheint, daß man auf beiden Schiffen noch mit den Zurüstungen beschäftigt war. Endlich schickte die Fregatte dem Kriegsschiffe einige Kugeln und bald darauf eine ganze Ladung zu, und nun begann der Kampf mit Heftigkeit.

Unser Kriegsschiff leistete den tapfersten Widerstand, selbst als schon in der ersten halben Stunde die zweite, und endlich auch die dritte Fregatte dazu gekommen war. So dauerte das Gefecht, mit einer kleinen Pause bis gegen Abend fort. Jezt aber mußte das Kriegsschiff streichen, worauf es von den Franzosen in Besitz genommen ward. Wir sahen jezt die eine Fregatte auf die Convoy loskommen, benuzten aber den Vortheil des Windes und der Dämmerung, und entgiengen ihr. Doch zweifle ich, ob dies allen Schiffen geglückt seyn mag.

Unsere Offiziere und Matrosen waren über den Sieg der French Dogs[28] vor Wuth ganz außer sich. Sie schwuren, die Prise bis auf das Aeußerste zu verteidigen, und sollte es ihr lezter Augenblick seyn. Die Lichter wurden bedeckt, die Kanonen und Gewehre in Stand gesezt. Jeder hielt sich auf seinem Posten, und spähte in die düstere See hinaus. Indessen bekamen wir nur einige Schiffe und diese sämmtlich nur an der französischen Küste zu Gesicht. Wir erkannten sie in ziemlicher Entfernung an den drei großen Laternen des Hintertheils.