»Nimmermehr!« — antwortete ich mit Festigkeit! — »Lieber das Aeußerste als dies!« —

»Nun so will ich euch denn zeigen, ihr — ihr!« —

»Gut! Wir wollen's erwarten, Capitain! Aber Sie werden für unser Blut verantwortlich seyn. Eher soll man uns in Stücken hauen!« —

Er antwortete nichts, gieng aber mehrere Minuten nachdenkend auf und ab. Endlich riß er mir die Capitulation aus der Hand, las sie noch einmal durch, unterzeichnete sie sehr bedächtlich, und gab sie mir ganz gelassen zurück. Jezt hieß es: Auf nach Sadras! und augenblicklich war alles mit Lichtern bedeckt, und überall ertönte Trompeten- und Paukenschall. Wir eilten den Truppen voraus, um unsern Bericht abzustatten, zufrieden, daß wenigstens so viel erlangt worden war. Endlich um elf Uhr zogen die Engländer mit klingendem Spiele ein, besezten das Fort, die Packhäuser u. s. w., und brachten die ganze Nacht mit Trinken und Lärmen zu.

Am folgenden Morgen ward unser Schicksal näher bestimmt. Die Garnison mußte Dienste nehmen, wir Compagniebeamten wurden nach Madras geschickt. Indessen fehlte es an Platz, um unser Eigenthum mitzunehmen; alles ward daher vorläufig in die Packhäuser gebracht. Dies war offenbar Treulosigkeit; keiner von uns hat je das Mindeste wieder davon gesehen. Ich selbst verlor auf diese Art ungefähr dreitausend Pagoden an Werth. Eben so kam ich um andere tausende, die mir die Compagnie schuldig war. Alles, was ich noch retten konnte, mochten hundert und einige zwanzig seyn. So kam ich mit meinen Unglücksgefährten in Madras an.

Viertes Capitel.

Aber was nun anfangen? — Ohne Geld, ohne Freunde, ohne Empfehlungen! — Ich fühlte nur zu sehr, wie verlassen ich war. — Endlich fiel mir ein gewisser Herr Franck, ein deutscher Landsmann, ein. Ich hatte ihn zufällig in Sadras kennen gelernt, und ihm selbst einige kleine Gefälligkeiten erzeigt. Diesen suchte ich auf, und fand die herzlichste Theilnahme bei ihm. Sehr bereitwillig bot er mir sogleich sein Haus, seinen Tisch, ja sogar seine Börse an; allein er war selbst nicht reich; ich machte daher nur einige Tage von seiner Güte Gebrauch. Eben war ich im Begriff mit einigen unverheiratheten jungen Leuten zusammen zu ziehen, als ich auf einmal — doch hierüber muß ich etwas umständlicher seyn.

Während meines Aufenthaltes zu Sadras hatte ich einem alten braven Sergeanten, Namens Winter, gegen über gewohnt, und so die Bekanntschaft seiner eben so schönen als sittsamen Tochter Sophie gemacht. Ich wußte, daß der arme kranke Mann bei der Uebergabe nach Madras eingeschifft worden war. Leider hatte ich ihn aber aus dem Gesichte verloren, fand ihn jetzt nur mit Mühe wieder, und traf ihn in den traurigsten Umständen an. Augenblicklich war mein Entschluß gefaßt. Ich miethete ein malabarisches Häuschen, kaufte die nothwendigsten Mobilien u. s. w., und nahm die Familie zu mir. Nur wenig Wochen hatten wir indessen zusammengelebt, als der alte Mann nach einem kurzen Krankenlager in meinen Armen verschied. Ich liebte Sophien heiß und innig, leider war sie aber an einen andern verlobt. Sie theilte meine Empfindungen, sie hatte nur aus Noth eingewilligt, und fürchtete das verhaßte Band. Ich beschloß sie nicht zu verlassen, und die Mutter dankte mir mit Thränen dafür.

Aber um so furchtbarer lag der Gedanke an die Zukunft auf mir. Mein Geld nahm ab; die Gelegenheit zum Verdienste war bei dem stockenden Handel ziemlich beschränkt; ich befand mich bald in großer Verlegenheit. Endlich brachte mich Herr Franck bei einem Mr. Popham als Schreiber an. Aber auch jezt verschaffte uns meine Einnahme täglich nur eine Mahlzeit; die Theurung war gar zu groß. In dieser traurigen Lage ward ich zufällig einen der reichsten portugiesischen Kaufleuten von Madras, Shor. Antonio de Souza, bekannt. Ich hatte ihm nämlich einige Papiere zu überbringen, fand ihn gerade mit Shra de Souza beim Frühstück, und redete ihn englisch (seine Lieblingssprache) an.

»Wie lange sind Sie aus England?« — fiel er mir plözlich ein.