»Wohlan denn, Sunakkhatto, so höre und achte wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« erwiderte da aufmerksam Sunakkhatto der junge Licchavier dem Erhabenen. Der Erhabene sprach also:
»Fünf Begehrungen, Sunakkhatto, giebt es: welche fünf? Die durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Töne, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden. Das sind, Sunakkhatto, die fünf Begehrungen.
»Wohl findet sich, Sunakkhatto, der Fall, dass da irgend ein Mensch vom Köder der Welt angezogen sei. Einem Menschen, Sunakkhatto, der vom Köder der Welt angezogen ist, kommt eben ein demgemäßes Gespräch gelegen, und was sich darauf bezieht überlegt und erwägt er, geht mit dem Manne um, befreundet sich mit ihm; und wird etwa ein Gespräch über Unverstörung geführt, so horcht er nicht auf, leiht kein Gehör, wendet sein Herz der Kunde nicht zu, geht mit dem Manne nicht um, befreundet sich nicht mit ihm. Gleichwie etwa, Sunakkhatto, wenn da ein Mann von seinem Dorfe oder seiner Stadt seit langem verreist wäre; und er träfe einen anderen Mann, von dort vor kurzem fortgegangen, und fragte ihn um den Zustand, um die Wohlfahrt und das Gedeihen jenes Dorfes oder jener Stadt, und der Mann rühmte ihm den Zustand, die Wohlfahrt und das Gedeihen jenes Dorfes oder jener Stadt; was bedünkt dich nun, Sunakkhatto: {60} würde da wohl jener Mann auf ihn horchen, ihm Gehör leihen, der Kunde sein Herz zuwenden, mit dem Manne umgehn, mit ihm sich befreunden?«
»Gewiss, o Herr!«
»Ebenso nun auch, Sunakkhatto, findet sich wohl der Fall, dass da irgend ein Mensch vom Köder der Welt angezogen sei. Einem Menschen, Sunakkhatto, der vom Köder der Welt angezogen ist, kommt eben ein demgemäßes Gespräch gelegen, und was sich darauf bezieht überlegt und erwägt er, geht mit dem Manne um, befreundet sich mit ihm; und wird etwa ein Gespräch über Unverstörung geführt, so horcht er nicht auf, leiht kein Gehör, wendet sein Herz der Kunde nicht zu, geht mit dem Manne nicht um, befreundet sich nicht mit ihm. Bei dem wäre zu merken: Ein Mensch, vom Köder der Welt angezogen.
»Wohl findet sich, Sunakkhatto, der Fall, dass da irgend ein Mensch von Unverstörung angezogen sei. Einem Menschen, Sunakkhatto, der von Unverstörung angezogen ist, kommt eben ein demgemäßes Gespräch gelegen, und was sich darauf bezieht überlegt und erwägt er, geht mit dem Manne um, befreundet sich mit ihm; und wird etwa ein Gespräch über weltlichen Köder geführt, so horcht er nicht auf, leiht kein Gehör, wendet sein Herz der Kunde nicht zu, geht mit dem Manne nicht um, befreundet sich nicht mit ihm. Gleichwie etwa, Sunakkhatto, ein welkes Blatt, vom Stängel abgefallen, nicht mehr ergrünen kann, ebenso nun auch, Sunakkhatto, ist von einem Menschen, angezogen von Unverstörung, {61} was Fessel weltlichen Köders war abgefallen. Bei dem wäre zu merken: Ein Mensch, der da losgelöst ist von der Fessel weltlichen Köders, von Unverstörung angezogen.
»Wohl findet sich, Sunakkhatto, der Fall, dass da irgend ein Mensch vom Reiche des Nichtdaseins angezogen sei. Einem Menschen, Sunakkhatto, der vom Reich des Nichtdaseins angezogen ist, kommt eben ein demgemäßes Gespräch gelegen, und was sich darauf bezieht überlegt und erwägt er, geht mit dem Manne um, befreundet sich mit ihm; und wird etwa ein Gespräch über Unverstörung geführt, so horcht er nicht auf, leiht kein Gehör, wendet sein Herz der Kunde nicht zu, geht mit dem Manne nicht um, befreundet sich nicht mit ihm. Gleichwie etwa, Sunakkhatto, ein Steinblock, entzwei gespalten, sich nicht mehr zusammenfügen lässt, ebenso nun auch, Sunakkhatto, ist bei einem Menschen, angezogen vom Reich des Nichtdaseins, was Fessel der Unverstörung war gespalten. Bei dem wäre zu merken: Ein Mensch, der da losgelöst ist von der Fessel der Unverstörung, vom Reich des Nichtdaseins angezogen.[18]
»Wohl findet sich, Sunakkhatto, der Fall, dass da irgend ein Mensch von der Gränze möglicher Wahrnehmung angezogen sei. Einem Menschen, Sunakkhatto, der von der Gränze möglicher Wahrnehmung angezogen ist, kommt eben ein demgemäßes Gespräch gelegen, und was sich darauf bezieht überlegt und erwägt er, geht mit dem Manne um, befreundet sich mit ihm; und wird etwa ein Gespräch über das Reich des Nichtdaseins geführt, so horcht er nicht auf, leiht kein Gehör, wendet sein Herz der Kunde nicht zu, geht mit dem Manne nicht um, befreundet sich nicht mit ihm. {62} Gleichwie etwa, Sunakkhatto, wenn ein Mann, an einer einladenden Schüssel gesättigt, diese von sich schöbe; was bedünkt dich nun, Sunakkhatto: würde da wohl dem Manne wiederum Esslust nach dem Gerichte kommen?«