[40] Der Topus vom himmlischen Gehör, S. 88, ist auf Chāndogyopaniṣat V, 1, 4 gegründet: Yo ha vai sampadaṃ veda, saṃ hāsmai kāmāḥ padyante daivāśca mānuṣāśca: śrotraṃ vā va sampat. Ja, er reicht in eine weit fernere Vergangenheit hinauf, da wir schon im Sāmavidhānabrāhmaṇam (I, 8) beide Arten der Töne, die himmlischen und die irdischen, die der Götter und die der Menschen, zugleich mit den fünf übrigen der diatonischen Skala, der Reihe nach absteigend bis zu den Geistern, Thieren, Dämonen, Bäumen und Kräutern, als Substrat der ganzen Welt — wie später den praṇavas (om) oder den pythagorischen αριθμος — genannt hören.
Dem einsam nachdenkenden Hüter und Hirten, S. 91, steht der thätig erfahrene Hüter und Hirt der 33. u. 34. Rede gegenüber: ὁ ποιμην ὁ καλος des Ev. Joh. X. 12–18 (Luk. XV, 4–6), der ebenso beliebte als problematische »gute Hirt«, schon auf einem Fresko der Lucina-Krypte zu Rom aus dem Anfange des 2. Jahrh. pompejanisch anmuthig nachgebildet; während auf den etwa 300–350 Jahre älteren asokischen Skulpturen zu Sāñci, Barāhat etc. anstelle der Heerdenbehütung das strengere Motiv der Einsamkeit im Wildparke prototypisch behandelt ist.
[41] Das Axiom eso ’ham asmi ›Das bin ich‹ kann auf Bṛhadāraṇyakopaniṣat I, 4, 1 so ’ham asmi etc. Bezug haben; n’etam mama ›Das gehört mir nicht‹ ιδιον τε μηδεν ἡγεισθαι, PYTHAGORAS bei DIOG. LAERT. VIII, 23. Ebenso »Thou art not thyself«, Measure for Measure III, 1, 19. — Die topische Frage und Antwort am Schlusse dieser und ähnlicher Reden (vergl. namentlich die 146ste) ist der Strophe und Gegenstrophe im chorischen Dialog am Schlusse der Perser des AISCHYLOS vollkommen koordinat.
[42] Cf. Manus II, 147 f; opapātiko: utpādayati yasmiṃ saḥ. Vergl. bes. noch Vasiṣṭhas II, 5.
[43] Zum ādiśrautam von der Saat und Ernte cf. die Rede nebst Anm. 176. Bekanntlich in die synoptischen Evangelien aufgenommen; bei uns am schönsten von GOTTFRIED im Tristan ausgesprochen, ed. pr. v. 12239 f.:
Wir muezen snîden unde maejen
Daz selbe, daz wir dar gesaejen.
Die Bemerkung, dass Gute gleich und ungleich, Schlechte auch nicht gleich und gleich zu erkennen vermögen — ähnlich wie Korinth. I, 2, 14, 15 eine Vertiefung des antiken Axioms vom Gleichen für Gleiches, das z. B. bei uns im ersten Theile der 105. Rede, S. 56–59, ausgeführt ist — wird von den beiden Asketen gegen Ende des vierten Aktes der S̀akuntalā bestätigt, vanaukaso ’pi santo laukikajñā vayam, und na khalu dhīmatāṃ kaścid aviṣayo nāma; bei uns vom ehrwürdigen Illuministen MERSWIN, im Buche von den Neun Felsen p. 115: »dis sint menschen, die der welte unbekant sint, abber die weit ist diesen menschen gar wol bekant.«