»Ein Gleichniss, o Gotamo, leuchtet mir auf!«

»Es leuchte dir auf, Aggivessano«, sprach der Erhabene.

»Gleichwie etwa, o Gotamo, alle die Saamen und Pflanzen, die zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung gelangen, durch die Erde bedingt sind, auf die Erde sich stützen und also zum Gedeihen, zur Reife und Entfaltung gelangen; oder gleichwie etwa ferner, o Gotamo, alle die Kraft erfordernden Werke durch die Erde bedingt sind, auf die Erde sich stützen und also ausgeführt werden: ebenso nun auch, o Gotamo, lebt und webt der Mensch in der Körperlichkeit[29], auf den Körper sich stützend erzeugt er Gutes oder Böses; lebt und webt der Mensch in der Fühlbarkeit, auf das Gefühl sich stützend erzeugt er Gutes oder Böses; lebt und webt der Mensch in der Wahrnehmbarkeit, auf die Wahrnehmung sich stützend erzeugt er Gutes oder Böses; lebt und webt der Mensch in der Unterscheidbarkeit, auf die Unterscheidungen sich stützend erzeugt er Gutes oder Böses; lebt und webt der Mensch in der Bewusstbarkeit, auf das Bewusstsein sich stützend erzeugt er Gutes oder Böses.«

»So ist wohl das, Aggivessano, deine Meinung: ‚Der Körper ist mein Selbst, das Gefühl ist mein Selbst, die Wahrnehmung ist mein Selbst, die Unterscheidungen sind mein Selbst, das Bewusstsein ist mein Selbst‘?«

»Gewiss, o Gotamo! Ich sage: ›Der Körper ist mein Selbst, das Gefühl ist mein Selbst, die Wahrnehmung ist mein Selbst, die Unterscheidungen sind mein Selbst, das Bewusstsein ist mein Selbst‹, und diese große Menge sagt es auch!«

»Was geht dich denn, Aggivessano, die große Menge an? Lass’ es nur, Aggivessano, bei deinem eigenen Worte bewenden.«

»Wohlan denn, o Gotamo, ich sage: ›Der Körper ist mein Selbst, das Gefühl ist mein Selbst, die Wahrnehmung ist mein Selbst, die Unterscheidungen sind mein Selbst, das Bewusstsein ist mein Selbst!‹«

»So will ich dir nun, Aggivessano, hierüber Fragen stellen: wie’s dir gutdünkt, magst du sie beantworten. Was meinst du wohl, Aggivessano: {231} erfüllte sich einem gesalbten Kriegerkönige, wie zum Beispiel dem König Pasenadi von Kosalo oder dem König Ajātasattu Vedehiputto von Magadhā, der Wunsch, in seinem Reiche einen zum Tode Verurtheilten hinrichten, oder einen in die Acht zu Erklärenden ächten, oder einen Bannwürdigen bannen zu lassen?«

»Gewiss, o Gotamo, erfüllte sich dieser Wunsch einem gesalbten Kriegerkönige, wie etwa dem König Pasenadi von Kosalo oder dem König von Magadhā Ajātasattu, dem Sohne der Videherin. Ja sogar diesen zahlreich versammelten Fürsten hier, o Gotamo, wie zum Beispiel den Vajjīnern, den Mallern, erfüllt sich der Wunsch, im eigenen Gebiete hinrichten, ächten und bannen zu lassen — wie also erst einem gesalbten Kriegerkönige, als wie dem König Pasenadi von Kosalo oder dem König Ajātasattu Vedehiputto von Magadhā! Er mag sich erfüllen, o Gotamo, und es ist Recht so!«

»Was meinst du nun, Aggivessano, der du also sprichst, ‚Der Körper ist mein Selbst‘, erfüllt sich dir bei diesem Körper der Wunsch: ‚So soll mein Körper sein, so soll mein Körper nicht sein‘?«