»Gleichwie etwa, Aggivessano, wenn ein Mann, der Kernholz begehrt, Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht, mit einem scharfen Beile versehn in den Wald ginge; dort erblickte er eine Gruppe zahlreicher Bananenpalmen, gerade, jung, schön gewachsen; eine derselben fällte er an der Wurzel, schnitte die Krone ab und rollte hierauf den aus Blattscheiden gebildeten Stamm auf; indem er da diese Blattscheidenröhre auseinanderrollte fände er nicht einmal Grünholz, geschweige Kernholz: ebenso hast du dich nun, Aggivessano, in deinem Gespräche mit mir hohl, leer, nichtig erwiesen. Denn du hast ja, Aggivessano, zu den Vesāliern also gesprochen: ›Den Asketen oder Priester möchte ich kennen, sei er auch ein Meister mit zahlreichen Jüngern und Anhängern, und hielt’ er sich gleich für den Heiligen, vollkommen Erwachten, der im Redekampfe mit mir nicht wankte, bebte, erzitterte, dem nicht der Angstschweiß aus den Achselhöhlen rieselte! Ja, wenn ich eine leblose Säule mit meiner Rede anginge, würde selbst diese, von der Rede getroffen, wanken, beben, erzittern — geschweige ein Menschlein!‹ Dir jedoch, Aggivessano, haben sich Schweißtropfen von der Stirne gelöst, sind über den Mantel herab auf die Erde gefallen. Mein Körper aber, Aggivessano, ist gegenwärtig frei von Schweiß.«
So bot der Erhabene in dieser Versammlung einen Anblick dar rein wie Gold.
{234} Auf diese Worte setzte sich Saccako der junge Nigaṇṭher verstummt und verstört, gebeugten Rumpfes, gesenkten Hauptes, das Antlitz von brennender Röthe übergossen, wortlos nieder.
Als nun Dummukho, einer der Licchavī-Prinzen, sah, wie Saccako der junge Nigaṇṭher verstummt und verstört, gebeugten Rumpfes, gesenkten Hauptes, das Antlitz von brennender Röthe übergossen, wortlos dasaß, sprach er zum Erhabenen also:
»Ein Gleichniss, Erhabener, leuchtet mir auf!«
»Es leuchte dir auf, Dummukho«, sprach der Erhabene.
»Gleichwie, o Herr, wenn da in der Nähe eines Dorfes oder einer Stadt ein Teich wäre, und darin befände sich eine Krabbe; aus diesem Dorfe oder dieser Stadt, o Herr, zöge nun eine Schaar von Knaben oder Mädchen hinaus, zu jenem Teiche hin. Dort badeten sie, fänden die Krabbe und würfen sie aus dem Wasser heraus, an das Ufer. So oft nun, o Herr, die Krabbe eine Scheere ausstreckte, so oft würfen die Knaben oder Mädchen mit Holz oder mit Kies und Steinen danach. Und so wäre, o Herr, diese Krabbe an allen Gliedern zertroffen, zerbrochen, zerstört, außer Stande wieder ins Wasser zu krabbeln wie früher: ebenso nun auch, o Herr, sind dem Saccako Nigaṇṭhaputto alle seine Stacheln, Dornen und Zacken vom Erhabenen zertroffen, zerbrochen, zerstört worden, und nunmehr, o Herr, ist Saccako Nigaṇṭhaputto außer Stande wiederum an den Erhabenen heranzutreten, zu einer freislichen Unterredung.«
Auf diese Worte sprach Saccako Nigaṇṭhaputto zum Licchavier Dummukho also:
»Geh’ du nur, Dummukho, geh’ du nur, Dummukho! Nicht mit dir reden wir, wir reden hier mit dem verehrten Gotamo. — Dahingestellt sei, o Gotamo, jene Dialektik, wie sie zwischen mir und den anderen, gewöhnlichen Asketen und Priestern im Schwange ist: sie dünkt mich eitles Geschwätz! Inwiefern aber ist nun ein Jünger des verehrten Gotamo ordensgetreu, der Belehrung zugänglich, zweifelentronnen, ohne Schwanken und verweilt, in sich selber gewiss, auf keinen anderen gestützt im Orden des Meisters?«
»Da betrachtet, Aggivessano, ein Jünger von mir was es auch an Körperlichem giebt, vergangenes, zukünftiges, gegenwärtiges, eigenes oder fremdes, grobes oder feines, gemeines oder edles, fernes oder nahes: alles Körperliche betrachtet er, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit also: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.‹ {235} Was es auch an Gefühl giebt, vergangenes, zukünftiges, gegenwärtiges, eigenes oder fremdes, grobes oder feines, gemeines oder edles, fernes oder nahes: alles Gefühl betrachtet er, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit also: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.‹ Was es auch an Wahrnehmung giebt, vergangene, zukünftige, gegenwärtige, eigene oder fremde, grobe oder feine, gemeine oder edle, ferne oder nahe: alle Wahrnehmung betrachtet er, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit also: ›Die gehört mir nicht, die bin ich nicht, die ist nicht mein Selbst.‹ Was es auch an Unterscheidungen giebt, vergangene, zukünftige, gegenwärtige, eigene oder fremde, grobe oder feine, gemeine oder edle, ferne oder nahe: alle Unterscheidungen betrachtet er, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit also: ›Die gehören mir nicht, die bin ich nicht, die sind nicht mein Selbst.‹ Was es auch an Bewusstsein giebt, vergangenes, zukünftiges, gegenwärtiges, eigenes oder fremdes, grobes oder feines, gemeines oder edles, fernes oder nahes: alles Bewusstsein betrachtet er, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit also: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.‹ Insofern, Aggivessano, ist ein Jünger von mir ordensgetreu, der Belehrung zugänglich, zweifelentronnen, ohne Schwanken und verweilt, in sich selber gewiss, auf keinen anderen gestützt im Orden des Meisters.«