»Da waren nun, ihr Mönche, Brahmā und die Brahmagötter und die Brahmaschaaren über das Außerordentliche, Wunderbare dieses Vorgangs erstaunt und bestürzt: ›Außerordentlich, wahrlich, wunderbar, wahrlich, ist des Asketen Gotamo hohe Macht, hohe Gewalt! Niemals noch, fürwahr, haben wir einen Asketen oder Priester gesehn oder von einem gehört, der so hochmächtig, so hochgewaltig gewesen wäre, wie dieser Asket Gotamo, der Sakyersohn, der dem Erbe der Sakyer entsagt hat. Dem lebensfrohen Geschlechte, o Wunder, dem lebensfreudigen, lebenslustigen hat er das Leben mit der Wurzel ausgezogen!‹

»Aber Māro der Böse, ihr Mönche, fuhr nun in einen der Götter vom Gefolge Brahmās und sprach zu mir: ›Bist du, o Würdiger, also weise und weck, so ziehe dir keine Jünger heran, keine Nachfolger, so zeige nicht Jüngern die Wahrheit, nicht Nachfolgern, so ersehne nicht Jünger und Nachfolger. Schon vor dir, o Mönch, waren Asketen und Priester in der Welt, die sich für Heilige, vollkommen Erwachte ausgaben. Und sie zogen sich Jünger heran, Nachfolger, zeigten Jüngern die Wahrheit, Nachfolgern, ersehnten Jünger und Nachfolger. Und nachdem sie sich Jünger herangezogen hatten, Nachfolger, Jüngern die Wahrheit gezeigt hatten, Nachfolgern, Jünger ersehnt hatten, Nachfolger, starben sie und gelangten nach der Auflösung des Körpers zu verstoßenen Daseinsarten. Und schon vor dir, o Mönch, gab es Asketen und Priester in der Welt, {331} die sich für Heilige, vollkommen Erwachte hielten, aber keine Jünger und Nachfolger heranzogen, keine Wahrheit zeigten, keine Nachfolge ersehnten. Ohne Jünger und Nachfolger zu hinterlassen, ohne die Wahrheit gezeigt und Nachfolge ersehnt zu haben, starben sie und gelangten nach der Auflösung des Körpers zu erlesenen Daseinsarten. Darum lass’ dir, o Mönch, gerathen sein: höre, o Würdiger! Gieb dir keine Mühe, verweile so lange du noch lebst im ungetrübten Genusse deiner Heiterkeit, behalte das Aechte nur für dich, Würdiger, belehre keinen anderen!‹

»Auf diese Worte, ihr Mönche, sprach ich also zu Māro dem Bösen: ›Wohl kenn’ ich dich, Böser, lass’ die Hoffnung fahren: ‚Er kennt mich nicht‘, Māro bist du, der Böse. Und nicht aus liebevoller Theilnahme redest du, Böser, also zu mir, sondern aus gehässiger Theilnahme; denn das, Böser, sind deine Gedanken: ‚Denen der Asket Gotamo die Wahrheit zeigen wird, die werden sich gegen meine Herrschaft auflehnen.‘ Doch unvollkommen erwacht, Böser, waren die Asketen und Priester, die dir erklärt haben: ‚Wir sind vollkommen erwacht.‘ Ich aber, Böser, der eben vollkommen erwacht bin, erkläre dir: ich bin vollkommen erwacht. Zeigt aber nun, Böser, der Vollendete Jüngern die Wahrheit: immer bleibt er der Selbe. Zeigt aber nun, Böser, der Vollendete Jüngern die Wahrheit nicht: immer bleibt er der Selbe. Zieht aber nun, Böser, der Vollendete Jünger heran: immer bleibt er der Selbe. Zieht aber nun, Böser, der Vollendete Jünger nicht heran: immer bleibt er der Selbe. Wie ist das möglich? Der Vollendete, Böser, hat den Wahn, den besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden, verleugnet, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass er nicht mehr keimen, nicht mehr sich entwickeln kann. Gleichwie etwa, Böser, eine Palme, der man die Krone abgeschnitten hat, nicht mehr emporwachsen kann: ebenso nun auch, Böser, hat der Vollendete den Wahn, den besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden, verleugnet, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass er nicht mehr keimen, nicht mehr sich entwickeln kann.«

So ist da Māro zum Schweigen gebracht und Brahmā heimgesucht worden; darum eben hat man diesen Bericht Brahmās Heimsuchung genannt.


50.

Fünfter Theil

Zehnte Rede

MĀROS VERWEISUNG

{332} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der ehrwürdige Mahāmoggallāno im Lande der Bhagger, bei der Stadt Suṃsumāragiram, im Forste des Bhesakaḷā-Waldes. Damals nun erging sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno in einer Lichtung. Aber Māro der Böse war dem ehrwürdigen Mahāmoggallāno in den Bauch gefahren und hatte sich im Darm festgesetzt. Da kam nun dem ehrwürdigen Mahāmoggallāno der Gedanke: ›Was ist denn nur mein Bauch so schwer, wie etwa ein Sack voll Bohnen?‹ Und der ehrwürdige Mahāmoggallāno hielt seine Schritte an, ging in das Wohnhaus und setzte sich auf seinem Sitze nieder. Dort sitzend beobachtete sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno aufmerksam. Und der ehrwürdige Mahāmoggallāno sah Māro den Bösen in seinem Bauche, im Darme sitzen, und nachdem er ihn gesehn sprach er also zu ihm: