»Wer nun zu mir, Sāriputto, dem also Erkennenden, also Erschauenden also spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute, Sāriputto, diese Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken, gäbe diese Ansicht nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem Abweg verfallen. Gleichwie etwa, Sāriputto, ein Mönch, der Selbstbeherrschung, Vertiefung und Weisheit gewonnen hat, noch bei Lebzeiten zur Erkenntniss gelangen kann: so, sag’ ich, Sāriputto, mag wer diese Rede nicht bereut, diese Gedanken nicht verworfen, diese Ansicht nicht aufgegeben hat, wie er’s gefügt dem Abweg verfallen.
»Vier Arten der Zuversicht sind es, Sāriputto, die dem Vollendeten taugen, die dem Vollendeten eignen, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen: welche vier? ›Vollkommen erwacht nennst du dich zwar, aber diese Dinge hast du nicht erkannt‹: dass mich da ein Asket oder ein Brāhmane, ein Gott oder ein Teufel, ein Brahmā oder irgend wer in der Welt mit Recht also abweisen könnte, {72} eine solche Möglichkeit, Sāriputto, sehe ich nicht. Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich. — ›Wahnversiegt nennst du dich zwar, aber dieser Wahn ist nicht versiegt‹: dass mich da ein Asket oder ein Brāhmane, ein Gott oder ein Teufel, ein Brahmā oder irgend wer in der Welt mit Recht also abweisen könnte, eine solche Möglichkeit, Sāriputto, sehe ich nicht. Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich. — ›Was du nun gar als verderblich bezeichnest, das muss nicht dem Thäter verderblich sein‹: dass mich da ein Asket oder ein Brāhmane, ein Gott oder ein Teufel, ein Brahmā oder irgend wer in der Welt mit Recht also abweisen könnte, eine solche Möglichkeit, Sāriputto, sehe ich nicht. Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich. — ›Und trägst du gleich in gewisser Absicht deine Lehre vor, so reicht sie doch nicht dem Grübler zur gänzlichen Leidensversiegung aus‹: dass mich da ein Asket oder ein Brāhmane, ein Gott oder ein Teufel, ein Brahmā oder irgend wer in der Welt mit Recht also abweisen könnte, eine solche Möglichkeit, Sāriputto, sehe ich nicht. Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich.
»Das, Sāriputto, sind die vier Arten der Zuversicht, die dem Vollendeten taugen, die dem Vollendeten eignen, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen.
»Wer nun zu mir, Sāriputto, dem also Erkennenden, also Erschauenden also spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute, Sāriputto, diese Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken, gäbe diese Ansicht nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem Abweg verfallen.
»Acht Versammlungen giebt es, Sāriputto: was für acht? Die Versammlung der Krieger, die Versammlung der Priester, die Versammlung der Bürger, die Versammlung der Asketen, die Versammlung der Götter der vier Gegenden, die Versammlung der Götter der Dreiunddreißig, die Versammlung der sinnlichen Götter und die Versammlung der heiligen Götter. Das, Sāriputto, sind die acht Versammlungen. Mit jener vierfachen Zuversicht ausgerüstet, Sāriputto, geht der Vollendete hin zu den acht Versammlungen, begiebt sich unter sie. Und ich bekenne, Sāriputto, unter vielen hunderten von Kriegern gewesen zu sein: vor mir saßen sie da und ich sprach mit ihnen und wir wechselten also Rede und Gegenrede. Dass ich nun da in Bestürzung oder Verlegenheit gerathen könnte, eine solche Möglichkeit, Sāriputto, ist nicht vorhanden. Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich. Und ich bekenne, Sāriputto, unter vielen hunderten von Priestern — von Bürgern — von Asketen — unter vielen hunderten von Göttern der vier Gegenden — von Göttern der Dreiunddreißig — von sinnlichen Göttern und von heiligen Göttern gewesen zu sein: vor mir saßen sie da und ich sprach mit ihnen und wir wechselten also Rede und Gegenrede. Dass ich nun da in Bestürzung oder Verlegenheit gerathen könnte, eine solche Möglichkeit, Sāriputto, ist nicht vorhanden. Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich. {73} »Wer nun zu mir, Sāriputto, dem also Erkennenden, also Erschauenden also spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute, Sāriputto, diese Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken, gäbe diese Ansicht nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem Abweg verfallen.
»Viererlei Schooße giebt es, Sāriputto: und welche sind es? Der Schooß des Eies, der Schooß des Leibes, der Schooß der Gährung, der Schooß der Erscheinung. Was ist aber, Sāriputto, der Schooß des Eies? Wenn da Wesen, Sāriputto, die Schaale des Eies durchbrechend zur Welt kommen, so nennt man das, Sāriputto, den Schooß des Eies. Was ist aber, Sāriputto, der Schooß des Leibes? Wenn da Wesen, Sāriputto, aus der Hülle des Leibes hervortretend zur Welt kommen, so nennt man das, Sāriputto, den Schooß des Leibes. Was ist aber, Sāriputto, der Schooß der Gährung? Wenn da Wesen, Sāriputto, in faulendem Fische entstehn oder in faulendem Fleische oder in faulender Speise, oder in Pfuhl oder Pfütze zur Welt kommen, so nennt man das, Sāriputto, den Schooß der Gährung. Was ist aber, Sāriputto, der Schooß der Erscheinung? Wenn da Götter in die Tiefe sinken, und manche Menschen und manche Geister, so nennt man das, Sāriputto, den Schooß der Erscheinung. Das, Sāriputto, sind die vier Schooße.
»Wer nun zu mir, Sāriputto, dem also Erkennenden, also Erschauenden also spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute, Sāriputto, diese Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken, gäbe diese Ansicht nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem Abweg verfallen.
»Fünf Fährten giebt es, Sāriputto: und was für welche? Den Abweg, den thierischen Schooß, das Gespensterreich, die Menschen und die Götter. Den Abweg kenn’ ich, Sāriputto, und den abwärts führenden Pfad und den abwärts führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zu Verderben und Unheil gelangt, an Orte der Quaal und des Jammers: diesen Weg kenne ich. Den thierischen Schooß kenn’ ich, Sāriputto, und den zum thierischen Schooße führenden Pfad und den zum thierischen Schooße führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zum thierischen Schooße gelangt: auch diesen Weg kenne ich. Das Gespensterreich kenn’ ich, Sāriputto, und den zum Gespensterreich führenden Pfad und den zum Gespensterreich führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zum Gespensterreich gelangt: auch diesen Weg kenne ich. Die Menschen kenn’ ich, Sāriputto, und den zur Menschenwelt führenden Pfad und den zur Menschenwelt führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Menschheit gelangt: auch diesen Weg kenne ich. Die Götter kenn’ ich, Sāriputto, und den zur Götterwelt führenden Pfad und den zur Götterwelt führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, an Orte himmlischer Freude gelangt: auch diesen Weg kenne ich. — Und die Wahnerlöschung kenn’ ich, Sāriputto, und den zur Wahnerlöschung führenden Pfad und den zur Wahnerlöschung führenden Wandel, durch dessen Pflege man {74} nach Versiegung des Wahnes die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar macht, verwirklicht, erringt und besitzt: auch diesen Weg kenne ich.
»Und ich durchschau’ und erkenne Herz und Gemüth eines Menschen also, Sāriputto: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechter Fährte, in Verderben und Unheil, einzig von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt. Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da eine Grube wäre, tiefer als Manneshöhe, voller glühender Kohlen, ohne Flammen, ohne Rauch; und es käme einer heran, vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und schritte geraden Weges auf eben diese Grube zu; den habe ein scharfsehender Mann erblickt und spräche nun: ›Derart handelt jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er mitten in die glühenden Kohlen hineinfallen wird‹; und er sähe ihn dann später in der Kohlengrube drinnen, einzig von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt: ebenso nun auch, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und Gemüth eines Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechter Fährte, in Verderben und Unheil, einzig von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt.
»Und ferner, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich Herz und Gemüth eines Menschen also: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in thierischen Schooß gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Grenzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in thierischen Schooß gerathen, von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt. Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da eine Senkgrube wäre, tiefer als Manneshöhe, voller Unrath; und es käme einer heran, {75} vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und schritte geraden Weges auf eben diese Senkgrube zu; den habe ein scharfsehender Mann erblickt und spräche nun: ›Derart handelt jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er mitten in den Koth hineinfallen wird‹; und er sähe ihn dann später in der Jauche drinnen, von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt: ebenso nun auch, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und Gemüth eines Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in thierischen Schooß gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in thierischen Schooß gerathen, von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt.