Und der Erhabene wandte sich an die Mönche:
»Was meint ihr wohl, Mönche? Hat dieser Mönch Ariṭṭho, der frühere Geierjäger, in unserer Heilsordnung nicht etwa Brand gestiftet?«
»Wie wäre das möglich, o Herr, nein, wahrlich nicht, o Herr!«
Auf diese Worte setzte sich Ariṭṭho der Mönch, der frühere Geierjäger, verstummt und verstört, gebeugten Rumpfes, gesenkten Hauptes, das Antlitz von brennender Röthe übergossen, wortlos nieder. Als nun der Erhabene sah, wie Ariṭṭho der Mönch, der frühere Geierjäger, verstummt und verstört dasaß, gebeugten Rumpfes, gesenkten Hauptes, das Antlitz von brennender Röthe übergossen, wortlos, sprach er also zu ihm: »Dies wird sich als deine eigene verkehrte Meinung erweisen, o du Bethörter; ich werde nun die Mönche befragen.«
Und der Erhabene wandte sich an die Mönche:
{133} »Versteht auch ihr, meine Mönche, die verkündete Lehre also, wie dieser Mönch Ariṭṭho, der frühere Geierjäger, der missverständigen Sinnes uns verbessert und sich selbst das Grab gräbt und schwere Schuld schafft?«
»Nicht so, o Herr! Auf manigfaltige Weise hat uns ja, o Herr, der Erhabene die verderblichen Handlungen erklärt und dargelegt, dass sie dem Thäter nothwendig zum Verderben gereichen. Unbefriedigend sind die Begierden, hat der Erhabene gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt. Kahlen Knochen verglichen hat der Erhabene die Begierden, Fleischfetzen verglichen hat der Erhabene die Begierden, flammendem Stroh verglichen hat der Erhabene die Begierden, glühenden Kohlen verglichen hat der Erhabene die Begierden, Träumereien verglichen hat der Erhabene die Begierden, Betteleien verglichen hat der Erhabene die Begierden, Baumfrüchten verglichen hat der Erhabene die Begierden, Schwerdterschneiden verglichen hat der Erhabene die Begierden, Lanzenspitzen verglichen hat der Erhabene die Begierden, Schlangenrachen gleich sind die Begierden, hat der Erhabene gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt.«
»Wohl, ihr Mönche, wohl, dass ihr, meine Mönche, die verkündete Lehre also versteht. Freilich habe ich euch, ihr Mönche, auf manigfaltige Weise die verderblichen Handlungen erklärt und dargelegt, dass sie dem Thäter nothwendig zum Verderben gereichen. Unbefriedigend sind die Begierden, habe ich gesagt, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt. Kahlen Knochen verglichen habe ich die Begierden, Fleischfetzen verglichen habe ich die Begierden, flammendem Stroh verglichen habe ich die Begierden, glühenden Kohlen verglichen habe ich die Begierden, Träumereien verglichen habe ich die Begierden, Betteleien verglichen habe ich die Begierden, Baumfrüchten verglichen habe ich die Begierden, Schwerdterschneiden verglichen habe ich die Begierden, Lanzenspitzen verglichen habe ich die Begierden, Schlangenrachen gleich, habe ich gesagt, sind die Begierden, voller Leiden, voller Quaalen, das Elend überwiegt. Aber dieser Mönch Ariṭṭho, der frühere Geierjäger, will uns missverständigen Sinnes verbessern und gräbt sich selbst das Grab und schafft sich schwere Schuld. Das wird diesem bethörten Manne lange zum Unheil, zum Leiden gereichen. Dass er aber, ihr Mönche, außer diesen Begierden da, außer den wahrgenommenen Begierden, außer dem, was unter Begierden gedacht wird, etwa andere Begierden finden könnte, ist schlechterdings unmöglich.
»Wohl giebt es, ihr Mönche, Thoren, die sich die Lehre[15] aneignen. Obzwar sie diese Lehre sich angeeignet haben, untersuchen sie nicht mit Weisheit den Sinn der Lehren. Da sie den Sinn nicht mit Weisheit untersuchen, gewähren ihnen die Lehren keine Einsicht. Sie lernen die Lehre nur, um Reden und Meinungen über sie äußern zu können. Den Zweck, um dessen willen sie die Lehre lernen, den merken sie nicht. Ihnen gereichen die unrecht angefassten Lehren lange zum Unheil und Leiden. Und warum das? Weil sie die Lehren, ihr Mönche, unrecht angefasst haben. Es ist, ihr Mönche, als wie wenn ein Mann, der Schlangen begehrt, Schlangen sucht, auf Schlangen ausgeht, eine gewaltige Schlange fände und sie am Leibe oder am Schwanze anfasste: da schösse die Schlange auf ihn zu und bisse ihn in die Hand, in den Arm oder in andere Glieder, so dass er in der Folge {134} den Tod oder tödtlichen Schmerz erlitte. Und warum das? Weil er die Schlange, ihr Mönche, unrecht angefasst hätte. Ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es Thoren, denen die unrecht angefassten Lehren lange zum Unheil und Leiden gereichen. Und warum das? Weil sie die Lehren, ihr Mönche, unrecht angefasst haben.
»Wohl giebt es aber, ihr Mönche, auch edle Söhne, die sich die Lehre aneignen. Nachdem sie diese Lehre sich angeeignet haben, untersuchen sie mit Weisheit den Sinn der Lehren. Da sie den Sinn mit Weisheit untersuchen, gewähren ihnen die Lehren Einsicht. Sie lernen die Lehre nicht etwa nur, um Reden und Meinungen über sie äußern zu können. Den Zweck, um dessen willen sie die Lehre lernen, den merken sie. Ihnen gereichen die recht angefassten Lehren lange zum Wohle, zum Heile. Und warum das? Weil sie die Lehren, ihr Mönche, recht angefasst haben. Es ist, ihr Mönche, als wie wenn ein Mann, der Schlangen begehrt, Schlangen sucht, auf Schlangen ausgeht, eine gewaltige Schlange fände und sie mit einem gabelförmigen Stocke, recht angefasst, niederzwänge und, nachdem er sie mit dem gabelförmigen Stocke, recht angefasst, niedergezwungen hätte, am Halse wohl gepackt hielte: wenn nun auch, ihr Mönche, die Schlange Hand oder Arm oder andere Glieder jenes Mannes mit ihrem Leibe umringelte, so brauchte er darum weder Tod zu befürchten noch tödtlichen Schmerz. Und warum nicht? Weil er die Schlange, ihr Mönche, recht angefasst hätte. Ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es auch edle Söhne, denen die recht angefassten Lehren lange zum Wohle, zum Heile gereichen. Und warum das? Weil sie die Lehren, ihr Mönche, recht angefasst haben.