»Sechs verkehrte Lehren, ihr Mönche, sind das; welche sechs? Da betrachtet, ihr Mönche, der unerfahrene gewöhnliche Mensch, der Heiligen ungewärtig, der heiligen Lehre unkundig, der heiligen Lehre fremd — der Edlen ungewärtig, der Lehre der Edlen unkundig, der Lehre der Edlen fremd, den Körper: ›Der gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹; er betrachtet das Gefühl: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹; er betrachtet die Wahrnehmung: ›Die gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹; er betrachtet die Unterscheidungen: ›Die gehören mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹; und was da gesehn, gehört, gedacht, erkannt, erreicht, erforscht, im Geiste untersucht wird, auch davon hält er: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹; und auch den Glaubenssatz, welcher da lehrt: ›Das ist die Welt, das ist die Seele, das werde ich nach meinem Tode werden, unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar, ewig gleich, {136} ja, werde ich so verbleiben‹, auch davon hält er: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst.‹

»Der erfahrene heilige Jünger aber, ihr Mönche, der Heiligen gewärtig, der heiligen Lehre kundig, der heiligen Lehre vertraut — der Edlen gewärtig, der Lehre der Edlen kundig, der Lehre der Edlen vertraut, betrachtet den Körper: ›Der gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹; er betrachtet das Gefühl: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹; er betrachtet die Wahrnehmung: ›Die gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹; er betrachtet die Unterscheidungen: ›Die gehören mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹; und was da gesehn, gehört, gedacht, erkannt, erreicht, erforscht, im Geiste untersucht wird, auch davon hält er: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹; und auch den Glaubenssatz, welcher da lehrt: ›Das ist die Welt, das ist die Seele, das werde ich nach meinem Tode werden, unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar, ewig gleich, ja, werde ich so verbleiben‹, auch davon hält er: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.‹ Also die Dinge betrachtend kennt er kein unverständiges Zittern.«

Auf diese Worte wandte sich einer der Mönche an den Erhabenen: »Kann wohl, o Herr, unverständiges Zittern aus äußeren Gründen eintreten?«

»Kann sein, o Mönch«, sprach der Erhabene. »Es wird, zum Beispiel, o Mönch, einem Menschen also zumuthe: ›Verloren hab’ ich’s, ach, ich besitze es nimmer! O, hätt’ ich’s doch wieder! Ach, nimmermehr werd’ ich’s erlangen!‹ Er ist traurig, gebrochen, er jammert, schlägt sich stöhnend die Brust und geräth in Verzweiflung. Also, o Mönch, tritt unverständiges Zittern aus äußeren Gründen ein.«

»Und kann wohl, o Herr, unverständiges Zittern aus äußeren Gründen unterbleiben?«

»Kann sein, o Mönch«, sprach der Erhabene. »Da wird, o Mönch, einem Menschen nicht also zumuthe: ›Verloren hab’ ich’s, ach, ich besitze es nimmer! O, hätt’ ich’s doch wieder! Ach, nimmermehr werd’ ich’s erlangen!‹ Er ist nicht traurig, nicht gebrochen, er jammert nicht, schlägt sich nicht stöhnend die Brust und geräth nicht in Verzweiflung. Also, o Mönch, unterbleibt unverständiges Zittern aus äußeren Gründen.«

»Kann aber, o Herr, unverständiges Zittern ans inneren Gründen eintreten?«

»Kann sein, o Mönch«, sprach der Erhabene. »Es hat, zum Beispiel, o Mönch, einer den Glauben: ›Das ist die Welt, das ist die Seele, das werde ich nach meinem Tode werden, unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar, ewig gleich, ja, werde ich so verbleiben.‹ Der hört vom Vollendeten oder von einem Jünger des Vollendeten die Verkündung der Wahrheit, die alles Anhängen und Genügen an falschen Lehren, Dogmen und Systemen von Grund aus zerstört, die zum Aufgehn aller Unterscheidung führt[16], zur Abwehr aller Anhaftung, zum Versiegen des Durstes, zur Wendung, zur Auflösung, zur Erlöschung. {137} Da wird ihm also zumuthe: ›Vernichtet werde ich sein, o, zugrunde gegangen, ach! Nicht mehr werde ich sein!‹ Er ist traurig, gebrochen, er jammert, schlägt sich stöhnend die Brust und geräth in Verzweiflung. Also, o Mönch, tritt unverständiges Zittern aus inneren Gründen ein.«

»Und kann wohl, o Herr, unverständiges Zittern aus inneren Gründen unterbleiben?«

»Kann sein, o Mönch«, sprach der Erhabene. »Da hat, o Mönch, einer nicht den Glauben: ›Das ist die Welt, das ist die Seele, das werde ich nach meinem Tode werden, unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar, ewig gleich, ja, werde ich so verbleiben.‹ Der hört vom Vollendeten oder von einem Jünger des Vollendeten die Verkündung der Wahrheit, die alles Anhängen und Genügen an falschen Lehren, Dogmen und Systemen von Grund aus zerstört, die zum Aufgehn aller Unterscheidung führt, zur Abwehr aller Anhaftung, zum Versiegen des Durstes, zur Wendung, zur Auflösung, zur Erlöschung. Da wird ihm nicht also zumuthe: ›Vernichtet werde ich sein, o, zugrunde gegangen, ach! Nicht mehr werde ich sein!‹ Er ist nicht traurig, nicht gebrochen, er jammert nicht, schlägt sich nicht stöhnend die Brust, geräth nicht in Verzweiflung, Also, o Mönch, unterbleibt unverständiges Zittern aus inneren Gründen.