»Was meint ihr wohl, Mönche: ist das Bewusstsein unvergänglich oder vergänglich?«

»Vergänglich, o Herr!«

»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«

»Weh’, o Herr!«

»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Darum also, ihr Mönche: was es auch an Körperlichem giebt, {139} vergangenes, zukünftiges, gegenwärtiges, eigenes oder fremdes, grobes oder feines, gemeines oder edles, fernes oder nahes: alles Körperliche ist, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit, also anzusehn: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.‹ Was es auch an Gefühl giebt, vergangenes, zukünftiges, gegenwärtiges, eigenes oder fremdes, grobes oder feines, gemeines oder edles, fernes oder nahes: alles Gefühl ist, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit, also anzusehn: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.‹ Was es auch an Wahrnehmung giebt, vergangene, zukünftige, gegenwärtige, eigene oder fremde, grobe oder feine, gemeine oder edle, ferne oder nahe: alle Wahrnehmung ist, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit, also anzusehn: ›Die gehört mir nicht, die bin ich nicht, die ist nicht mein Selbst.‹ Was es auch an Unterscheidungen giebt, vergangene, zukünftige, gegenwärtige, eigene oder fremde, grobe oder feine, gemeine oder edle, ferne oder nahe: alle Unterscheidungen sind, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit, also anzusehn: ›Die gehören mir nicht, die bin ich nicht, die sind nicht mein Selbst.‹ Was es auch an Bewusstsein giebt, vergangenes, zukünftiges, gegenwärtiges, eigenes oder fremdes, grobes oder feines, gemeines oder edles, fernes oder nahes: alles Bewusstsein ist, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit, anzusehn: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.‹

»In solchem Anblick, ihr Mönche, wird der erfahrene heilige Jünger des Körpers überdrüssig und wird des Gefühles überdrüssig und wird der Wahrnehmung überdrüssig und wird der Unterscheidungen überdrüssig und wird des Bewusstseins überdrüssig. Ueberdrüssig wendet er sich ab. Abgewandt löst er sich los. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da.

»Ein solcher Mönch, ihr Mönche, wird ›Riegelheber‹ genannt, wird ›Grabenfüller‹ genannt, wird ›Pfeilentledigter‹ genannt, wird ›Hakenloser‹ genannt, wird ›Heiliger, Fahnenloser, Bürdeloser, Abgeschiedener‹ genannt.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch zum Riegelheber? Da wird, ihr Mönche, von dem Mönch das Nichtwissen verneint, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass es nicht mehr keimen, nicht mehr sich entwickeln kann. Also, ihr Mönche, wird der Mönch zum Riegelheber.