»Weiter sodann, Bhaddāli: nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens gewinnt der Mönch die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Und warum das? Weil es also, Bhaddāli, billig ist für einen, der im Meisterorden der Regel vollkommen genügt.

»Weiter sodann, Bhaddāli: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so gewinnt er die Weihe der dritten Schauung. Und warum das? Weil es also, Bhaddāli, billig ist für einen, der im Meisterorden der Regel vollkommen genügt.

»Weiter sodann, Bhaddāli: nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erreicht der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Und warum das? Weil es also, Bhaddāli, billig ist für einen, der im Meisterorden der Regel vollkommen genügt.

»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die erinnernde Erkenntniss früherer Daseinsformen. Er erinnert sich mancher verschiedenen früheren Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen. {442} Und warum das? Weil es also, Bhaddāli, billig ist für einen, der im Meisterorden der Regel vollkommen genügt.

»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss des Verschwindens-Erscheinens der Wesen. Mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, kann er die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er kann erkennen wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. Und warum das? Weil es also, Bhaddāli, billig ist für einen, der im Meisterorden der Regel vollkommen genügt.

»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss der Wahnversiegung. ›Das ist das Leiden‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Leidensentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Leidensauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der Wahn‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Wahnauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. Also erkennend, also sehend wird da sein Gemüth erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom Nichtwissenswahn. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da. Und warum das? Weil es also, Bhaddāli, billig ist für einen, der im Meisterorden der Regel vollkommen genügt.«

Nach dieser Rede sprach der ehrwürdige Bhaddāli zum Erhabenen also:

»Was ist wohl, o Herr, der Anlass, was ist der Grund, dass man da manchem Mönche oft und oft eine Bemerkung zu machen hat? Und was ist wiederum, o Herr, der Anlass, was ist der Grund, dass man da manchem Mönche nicht so oft und oft eine Bemerkung zu machen hat?«

»Da hat sich, Bhaddāli, ein Mönch wiederholt vergangen, sich vielfach vergangen: und von den Mönchen ermahnt geht er von einem auf ein anderes über, schweift vom Gegenstande ab und legt Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag, er wendet sich nicht zum Guten, giebt nicht nach, lenkt nicht versöhnlich ein, ‚Was den Brüdern recht und billig ist, das will ich thun‘, so spricht er nicht. Da berathen, Bhaddāli, die Mönche sich also: ›Dieser Mönch, ihr Brüder, hat sich wiederholt vergangen, vielfach vergangen: und von den Mönchen ermahnt geht er von einem auf ein anderes über, schweift vom Gegenstande ab und legt Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag, er wendet sich nicht zum Guten, giebt nicht nach, lenkt nicht versöhnlich ein, ‚Was den Brüdern recht und billig ist, {443} das will ich thun‘, so spricht er nicht. Gut wär’ es, wolltet ihr, Ehrwürdige, bei diesem Mönch darauf achten, dass ihm unser Vermerk nicht alsbald wieder entschwunden sei.‹ Und derart, Bhaddāli, achten die Mönche bei diesem Mönche darauf, dass ihm ihr Vermerk nicht alsbald wieder entschwunden ist. — Da hat sich nun, Bhaddāli, ein Mönch wiederholt vergangen, sich vielfach vergangen: und von den Mönchen ermahnt geht er von einem nicht auf ein anderes über, schweift vom Gegenstande nicht ab, legt keine Verdrossenheit, keinen Hass, kein Misstrauen an den Tag, er wendet sich zum Guten, giebt nach, lenkt versöhnlich ein, ‚Was den Brüdern recht und billig ist, das will ich thun‘, so spricht er. Da berathen, Bhaddāli, die Mönche sich also: ›Dieser Mönch, ihr Brüder, hat sich wiederholt vergangen, vielfach vergangen: und von den Mönchen ermahnt geht er von einem nicht auf ein anderes über, schweift vom Gegenstande nicht ab, legt keine Verdrossenheit, keinen Hass, kein Misstrauen an den Tag, er wendet sich zum Guten, giebt nach, lenkt versöhnlich ein, ‚Was den Brüdern recht und billig ist, das will ich thun‘, so spricht er. Gut wär’ es, wolltet ihr, Ehrwürdige, bei diesem Mönch darauf achten, dass ihm unser Vermerk alsbald wieder entschwunden sei.‹ Und derart, Bhaddāli, achten die Mönche bei diesem Mönche darauf, dass ihm ihr Vermerk alsbald wieder entschwunden ist.