»Da hat sich, Bhaddāli, ein Mönch nur selten[47] vergangen, nur wenig vergangen: und von den Mönchen ermahnt geht er von einem auf ein anderes über, schweift vom Gegenstande ab und legt Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag, er wendet sich nicht zum Guten, giebt nicht nach, lenkt nicht versöhnlich ein, ‚Was den Brüdern recht und billig ist, das will ich thun‘, so spricht er nicht. Da berathen, Bhaddāli, die Mönche sich also: ›Dieser Mönch, ihr Brüder, hat sich nur selten vergangen, nur wenig vergangen: und von den Mönchen ermahnt geht er von einem auf ein anderes über, schweift vom Gegenstande ab und legt Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag, er wendet sich nicht zum Guten, giebt nicht nach, lenkt nicht versöhnlich ein, ‚Was den Brüdern recht und billig ist, das will ich thun‘, so spricht er nicht. Gut wär’ es, wolltet ihr, Ehrwürdige, bei diesem Mönch darauf achten, dass ihm unser Vermerk nicht alsbald wieder entschwunden sei.‹ Und derart, Bhaddāli, achten die Mönche bei diesem Mönche darauf, dass ihm ihr Vermerk {444} nicht alsbald wieder entschwunden ist. — Da hat sich nun, Bhaddāli, ein Mönch nur selten vergangen, nur wenig vergangen: und von den Mönchen ermahnt geht er von einem nicht auf ein anderes über, schweift vom Gegenstande nicht ab, legt keine Verdrossenheit, keinen Hass, kein Misstrauen an den Tag, er wendet sich zum Guten, giebt nach, lenkt versöhnlich ein, ‚Was den Brüdern recht und billig ist, das will ich thun‘, so spricht er. Da berathen, Bhaddāli, die Mönche sich also: ›Dieser Mönch, ihr Brüder, hat sich nur selten vergangen, nur wenig vergangen: und von den Mönchen ermahnt geht er von einem nicht auf ein anderes über, schweift vom Gegenstande nicht ab, legt keine Verdrossenheit, keinen Hass, kein Misstrauen an den Tag, er wendet sich zum Guten, giebt nach, lenkt versöhnlich ein, ‚Was den Brüdern recht und billig ist, das will ich thun‘, so spricht er. Gut wär’ es, wolltet ihr, Ehrwürdige, bei diesem Mönch darauf achten, dass ihm unser Vermerk alsbald wieder entschwunden sei.‹ Und derart, Bhaddāli, achten die Mönche bei diesem Mönche darauf, dass ihm ihr Vermerk alsbald wieder entschwunden ist.

»Da hat sich, Bhaddāli, ein Mönch aus gewissem Vertrauen zu uns gesellt, aus gewisser Neigung: und die Mönche, Bhaddāli, berathen sich also: ›Dieser Mönch, ihr Brüder, hat sich aus gewissem Vertrauen zu uns gesellt, aus gewisser Neigung; wenn wir diesem Mönche oft und oft eine Bemerkung zu machen haben, soll ihm, weil er nur ein gewisses Vertrauen, eine gewisse Neigung besitzt, nicht auch diese verloren gehn.‹ Gleichwie etwa, Bhaddāli, bei einem Manne, der ein Auge hat, seine Freunde und Verwandten dieses eine Auge hüten mögen: ›Nicht soll ihm, weil er nur dieses eine Auge besitzt, auch dieses verloren gehn‹: ebenso nun auch, Bhaddāli, hat sich da ein Mönch aus gewissem Vertrauen zu uns gesellt, aus gewisser Neigung: und die Mönche, Bhaddāli, berathen sich also: ›Dieser Mönch, ihr Brüder, hat sich aus gewissem Vertrauen zu uns gesellt, aus gewisser Neigung; wenn wir diesem Mönche oft und oft eine Bemerkung zu machen haben, soll ihm, weil er nur ein gewisses Vertrauen, eine gewisse Neigung besitzt, nicht auch diese verloren gehn.‹

»Das ist, Bhaddāli, der Anlass, das ist der Grund, dass man da manchem Mönche oft und oft eine Bemerkung zu machen hat; und das ist wiederum, Bhaddāli, der Anlass, das ist der Grund, dass man da manchem Mönche nicht so oft und oft eine Bemerkung zu machen hat.«

»Was ist wohl, o Herr, der Anlass, was ist der Grund, {445} dass es früher weniger Ordensregeln gab, aber mehr der Mönche gewiss bestanden? Und was ist wiederum, o Herr, der Anlass, was ist der Grund, dass es heute mehr der Ordensregeln giebt, aber weniger Mönche gewiss bestehn?«

»Also ist es eben, Bhaddāli, wann die Wesen sich verschlechtern, wann die wahre Lehre untergeht, dass es mehr der Ordensregeln giebt, aber weniger Mönche gewiss bestehn. Nicht eher, Bhaddāli, giebt der Meister den Jüngern die Regel an, bis da nicht manche auf Wahn beruhende Dinge im Orden offenbar werden. Sobald nun, Bhaddāli, da manche auf Wahn beruhende Dinge im Orden offenbar werden, dann giebt der Meister den Jüngern die Regel an, um eben diese auf Wahn beruhenden Dinge zurückzuweisen. Nicht eher, Bhaddāli, werden da manche auf Wahn beruhende Dinge im Orden offenbar, bis nicht der Orden Größe erreicht hat. Sobald nun, Bhaddāli, der Orden Größe erreicht hat, dann werden da manche auf Wahn beruhende Dinge im Orden offenbar, dann giebt der Meister den Jüngern die Regel an, um eben diese auf Wahn beruhenden Dinge zurückzuweisen. Nicht eher, Bhaddāli, werden da manche auf Wahn beruhende Dinge im Orden offenbar, bis nicht der Orden hohe Gabe, hohen Ruhm, reiches Wissen, späte Jahre erreicht hat. Sobald nun, Bhaddāli, der Orden hohe Gabe, hohen Ruhm, reiches Wissen, späte Jahre erreicht hat, dann werden da manche auf Wahn beruhende Dinge im Orden offenbar, dann giebt der Meister den Jüngern die Regel an, um eben diese auf Wahn beruhenden Dinge zurückzuweisen.[48]

»Nicht viele seid ihr, Bhaddāli, damals gewesen, als ich euch im Gleichniss vom jungen Rosse die Lehre dargelegt habe; erinnerst du dich, Bhaddāli?«

»Nein, o Herr!«

»Und kannst du, Bhaddāli, den Grund angeben?«

»Doch wohl darum, o Herr, weil ich lange Zeit im Meisterorden der Regel nicht vollkommen genügt habe.«

»Nicht allein das, Bhaddāli, ist der Anlass, ist der Grund, denn ich habe dich, Bhaddāli, schon lange, im Geiste geistig erfassend, erkannt: ›Nicht mag dieser Thor, wann ich die Lehre darlege, achtsam, aufmerksam, mit ganzem Gemüthe hingegeben, offenen Ohres die Lehre hören.‹ Aber ich will dir, Bhaddāli, im Gleichniss vom jungen Rosse die Lehre darlegen: das höre du und achte {446} wohl auf meine Rede.«