Phot. Josiah Martin.
Abb. 11. Tiki-Tiki der Maori aus Jadeit,
das gewöhnlich von dem Familienoberhaupt getragen wird.
Abb. 12. Festgewänder der Eingeborenen auf Tahiti.
Der Aberglauben der Polynesier setzt bereits vor der Geburt des Kindes ein. Das erste Anzeichen der Schwangerschaft wird auf Samoa mit einem kleinen Fest gefeiert. Auf den Gilbertinseln wird damit, wenn es die erste Schwangerschaft ist, eine umständliche Zeremonie verbunden. Gegen Ende des zweiten Monats wird von einer alten weisen Frau aus den Schalen von ungefähr fünfzig Kokosnüssen eine Pyramide aufgebaut und in deren Spitze das Herzblatt einer Kokospalme gesteckt. Darauf heißt sie die Schwangere sich auf einer Matte daneben setzen, nimmt von einem dazu besonders bereiteten Brote aus Taroknollen und Kokosnußkernen ein ungefähr einen Fuß langes Stück, rollt es zwischen den Händen, berührt damit die angehende Mutter an verschiedenen Körperstellen und murmelt gleichzeitig Gebete an die Göttin Eibong des Inhaltes, daß das zu erwartende Kind schön und wohlgestaltet ankäme und, wenn es ein Knabe sei, dieser später die Liebe und Zuneigung junger Mädchen gewinne, oder, wenn es ein Mädchen sein sollte, dieses die Liebe eines reichen Mannes oder eines tapferen Kriegers finden möge. Darauf bricht sie ein Stück von dem Gebäck ab, reicht es der jungen Frau und den Rest dem jungen Ehemanne zum essen. Bis zum Morgen am vierten Tage schläft die Alte dann mit der Schwangeren jede Nacht neben der Kokospyramide. Jetzt melden sich Adoptiveltern für das Kind, da es Sitte ist, dieses nach Beendigung der Säugezeit anderen Eltern zu übergeben. Am Ende des dritten Monats begibt sich das junge Paar mit seinen Verwandten und der weisen Frau an einen unbewohnten Ort. Letztere stellt hier Speisen und Getränke unter einem Baum auf, um den der Adoptivvater des Gatten der Schwangeren mit ihr dreimal herumgeht; dann nehmen beide unter dem Baume Platz und werden von der alten Frau mit Speise versorgt. Hieran schließt sich ein allgemeiner Schmaus mit Tanz und Gesang. Am Schluß des vierten Monats endlich geht die Alte mit der Schwangeren und dem Adoptivvater ihres Mannes zu einem Kreuzwege. Hier nimmt sie der jungen Frau die Bekleidung ab und verbrennt sie. Dafür legt sie ihr eine neue um die Hüfte, die der Schwiegervater mitgebracht hat. Gleichzeitig wird ihr gesagt, daß sie mit dem Ablegen des Kleides ihrer Kindheit nun zu den Frauen gerechnet werde, und daß sie ihrem Manne sich recht angenehm erweisen und vor allen Dingen ihm treu bleiben müsse. Hierauf gehen sie nach Hause, wo wiederum ein Schmaus mit den Verwandten stattfindet. Außerdem läßt sich die Schwangere von dem Augenblick an, in dem sie sich guter Hoffnung fühlt, ihr bis dahin kahl geschorenes Kopfhaar wachsen und schneidet es erst wieder ab, wenn das Kind ungefähr ein Jahr alt geworden ist.
Aus: Kraemer, Hawaï.
Abb. 13. Marshallinsulanerin (Ralikgruppe) in alter Mattentracht.
Die aus Pandanusblättern geflochtenen Matten weisen hübsche Muster auf.