Abb. 261. Kajandajakfrau
mit schöner Tatauierung des Unterkörpers, die aus dreierlei Gründen vorgenommen wird. Zunächst zum Schmuck, dann zur Verhinderung und Heilung von Krankheiten und schließlich, damit die Tatauierungszeichen nach dem Tode des Trägers als Fackeln dienen, um dessen Geist auf dem Wege zu dem Geisterreich zu leuchten.
Orig. Mus. f. Völkerkunde zu Berlin.
Abb. 262. Wiege mit Kopfpresse für Kinder aus Celebes.
Phot. W. H. Furneß.
Abb. 263. Schädelverunstaltung bei einem Milanaukind.
Viele Malaienstämme haben bestimmte Weiber, die, ähnlich wie bei uns, berufsmäßig Hebammendienste bei der Niederkunft verrichten, das heißt der Gebärenden nicht nur beistehen, sondern auch die Wöchnerin pflegen, ihr Rat in Kinderangelegenheiten erteilen und Abtreibungen vornehmen. Dagegen ziehen die Tenggeresinnen und Baliinsulanerinnen nur männliche Hilfe bei ihren Geburten hinzu. — Wie während der Schwangerschaft, so sucht man auch bei der Niederkunft nach Möglichkeit den schädigenden Einfluß der Dämonen, die nach Ansicht der Malaien das ganze Leben des Menschen bedrohen, fernzuhalten. Zu diesem Zweck vertreibt man sie auf den Aaruinseln durch Trommeln. Auf den Inseln des Sawuarchipels wehrt man den bösen Geist Wango durch Dornengebüsch von dem Hause ab; auch feindlichen Überfällen sucht man durch solche Sicherheitsmaßregeln, im besonderen durch aufgehäufte Bambussplitter zu begegnen ([Abb. 264]). Auf Nias stellt man neben der Kreißenden ein Götzenbild in Gestalt eines schwangeren Weibes auf, das sie vor dem Dämon Bechumatiana schützen soll. Bei den Atschinesen hängt man, um einem anderen gefährlichen Dämon den Eintritt in das Haus zu verwehren, an der Decke des Gebärraumes einen bestimmten dornigen Zweig auf, zündet vier kleine Holzfeuer an den Ecken des Hauses an, namentlich wenn die Niederkunft in der Nacht erfolgt, und wirft von Zeit zu Zeit in sie Salz, Pfeffer, Schwefel und Hornstückchen hinein, wodurch ein mächtiger Gestank entsteht, der in gleicher Weise wie die Dornen den Dämon fernhalten soll; außerdem reibt die Hebamme die große Zehe der Kreißenden, als dessen mutmaßliche Eintrittspforte, mit einem Gemisch von fein gestoßenem Pfeffer, Zwiebeln und Asa foetida ein. Bei schwerer Geburt lassen die Atschinesen die Kreißende lauwarmes Wasser trinken, in dem sich eine sogenannte Jerichorose entfaltet hat. Auf Ambon und den Uliaseinseln legt man zur Erleichterung der Geburt auf den Platz, wo die Niederkunft stattfindet, alte Kleidungsstücke des Mannes, damit das Kind, durch den ihnen anhaftenden Schweißgeruch angezogen, recht schnell erscheine.