Phot. Ch. Hose.

Abb. 264. Gegen feindliche Überfälle mit Bambusspittern befestigtes Haus.

An die Nachgeburt knüpft sich mancherlei Aberglauben. Eine ganz eigenartige Auffassung über ihre Bedeutung besteht bei den Bewohnern der Inseln Bali und Nias, bei den Atschinesen und so weiter. Sie halten diese nämlich für den Bruder, beziehungsweise die Schwester des Neugeborenen und glauben, daß, wenn jemand stirbt, ihm die Seele seiner Nachgeburt auf dem halben Wege entgegenkomme, um dem Verstorbenen den Weg zum Paradiese zu zeigen. Daher wird die Nachgeburt auch sorgfältig behandelt; meistens pflegt man sie zu waschen und in einem Gefäß, Bambusrohr, in der Blütenhülle des Pinang (Arekablüte) und ähnlichem gut verpackt, entweder im Hause aufzuheben oder in dessen Nähe zu vergraben. Bei anderen Stämmen ist es Sitte, sie auf einem kleinen Bambusfloß, das mit Blumen und Früchten festlich geschmückt und mit Kerzen beleuchtet ist, den Fluß hinabtreiben zu lassen, als ein Opfer für die Krokodile, welche die Seele der Vorfahren beherbergen. Der Aberglaube von dem Nachgeburtszwilling treibt noch weitere Blüten. Wird ein Kind krank, so meint man, daß die Nachgeburt in ihrem Grabe krank geworden sei, und legt daher die Heilmittel auf die Stelle, wo sie verscharrt wurde; bessert sich trotzdem das Befinden des Kindes nicht, so ist man überzeugt, daß die Nachgeburt kein angenehmes Lager gefunden habe, gräbt sie wieder aus und beerdigt sie an einer anderen Stelle. Man vermutet ferner, daß die Seele der Nachgeburt zeitweilig ihre Stätte verlasse, um mit ihrem Zwillinge zu spielen, und daß ein Lächeln des Kindes im Schlafe darauf hindeute. — Die Abtrennung der Nabelschnur wird meistens mit einem Bambussplitter vorgenommen; wollen bei den Atschinesen die Eltern, daß ihr Sohn eine gute Stimme bekomme, so wird dieser Splitter aus einer Bambusflöte geschnitten. Meistens trocknet man den Nabelschnurrest und bewahrt ihn auf: bei Erkrankungen wird er entweder zu Pulver gestoßen und dem Patienten eingegeben oder in Form von Umschlägen angewendet. Verschiedentlich tragen die Kinder ihre eigenen Nabelschnurreste auch als Amulett um Hals und Bauch.

Die Wöchnerin wird allgemein als unrein angesehen. Während dieser Zeit haben bei den Atschinesen nur Frauen zu ihr Zutritt, ausgenommen der Ehegatte, der ihr Essen bringt, aber nur das Notwendigste mit ihr sprechen, sie nie berühren, noch von den Speisen und Getränken, die sie angefaßt hat, etwas essen darf. Merkwürdig ist der Brauch auf den Tanembar- und Timorlaoinseln, daß in der ersten Zeit nach der Geburt der Ehegatte das Kind zu pflegen und zu besorgen hat, während die Frau ihrer gewohnten Tagesbeschäftigung nachgeht; offenbar handelt es sich hierbei um die letzten Ausklänge der ursprünglichen Sitte des Männerkindbettes. — Die jungen Mütter pflegen ihr Kind oft jahrelang selbst zu stillen, aber daneben ihm auch andere Kost zu verabreichen. Ist eine Mutter aus irgend einem Grunde außerstande, ihr Kind selbst zu nähren, dann übernimmt vielfach die Großmutter diese Funktion. Infolge des Reizes, der durch das wiederholte Anlegen an die Brust auf diese ausgeübt wird, kommt es trotz des Alters doch noch zur Absonderung von Milch. Bei der Arbeit schleppt die Mutter ihr Kind in einem Korbe auf dem Rücken mit sich herum ([Abb. 265]).

Phot. W. H. Furneß.

Abb. 265. Punanfrau, ihr Kind in einem Korbe auf dem Rücken tragend,

in dem es bequem ruht, während die Frau ihre Arbeit fortsetzt.

Stirbt die Mutter bei der Geburt, so pflegt man allgemein auch das Kind zu töten, weil man entweder annimmt, daß es an dem Tode der Mutter schuld ist, oder weil man fürchtet, daß es doch nur ein Unglücklicher werden würde. Meistens geschieht die Tötung auf grausame Art. Die Dajak legen das Kind lebend in den Sarg der Mutter, die Niasser stecken es in einen Sack und hängen ihn im Wald an einem Baume auf, die Mentaweiinsulaner drücken ihm den Kopf ein und halten ihm Mund und Nase zu und anderes mehr.