Phot. Ch. Hose.

Abb. 267. Eingeborener von Borneo im Kriegsschmuck,

der aus einem Leopardenfell, das über die Schultern hängt, einem Brustschmuck aus Perlmutter und einem rot bemalten Holzschild und Schwert besteht.

Auf der Insel Nias ist es nicht ungewöhnlich, daß wohlhabende Männer ihren zwei- bis dreijährigen Sohn mit einem erwachsenen Mädchen verheiraten und damit die ehelichen Rechte und Pflichten des jungen Ehemanns so lange übernehmen, bis dieser dazu allein imstande ist. Daher kann es vorkommen, daß die junge Frau nicht nur ihrem Kinde, dessen Vater ihr Schwiegervater ist, sondern auch ihrem gesetzlichen Manne gleichzeitig die Brust reicht. — Auch auf Java werden die Ehen sehr frühzeitig geschlossen; hier sieht man nicht selten sehr begüterte junge Burschen im Alter von dreizehn bis vierzehn Jahren im Besitze eines Harems. — Über die Keuschheit der Mädchen vor der Ehe herrschen ganz verschiedene Anschauungen in Indonesien; bei einigen Stämmen ist der Geschlechtsverkehr den Mädchen erlaubt, bei anderen dagegen wird daran großer Anstoß genommen. Unter den Batakern ist ein „Ausleben“ der jungen Mädchen etwas Selbstverständliches, und ein solches, das jungfräulich stirbt, wird nach ihrer Annahme zu einem bösen Geiste, der den Männern nachstellt, weil es bei Lebzeiten die Freuden der Liebe nicht kosten konnte. Auf den Mentaweiinseln empfangen junge Mädchen direkt ihre Liebhaber in einer der zahlreichen kleinen Feldhütten, die außerhalb des Dorfes erbaut sind, um mit ihnen die Nächte zuzubringen. Bei den Tenggeresen auf Java wird einem jungen Mann, der eine befreundete Familie besucht, für die Nacht die Tochter des Hauses zur Verfügung gestellt. Dagegen halten die Dajak Südostborneos sehr auf geschlechtliche Reinheit ihrer Töchter. Hat ein junger Mann trotzdem ein Mädchen verführt, so ist er gezwungen, es zu heiraten; außerdem müssen beide zur „Reinigung“ des Dorfes ein Huhn und ein Schwein schlachten lassen und alle Dorfbewohner zum Verzehren einladen. Bei anderen Stämmen werden die Mädchen, die sich außerehelich preisgeben, mit dem Tode bestraft oder in sehr schwere Geldstrafe genommen. Dies gilt auch für verschiedene Stämme auf Sumatra und Celebes. Die Sibuyan (Borneo) sehen uneheliche Mutterschaft sogar für eine schwere Beleidigung der höheren Mächte an, wofür der ganze Stamm von ihnen bestraft werden würde; sie bringen daher für gefallene Mädchen Sühneopfer dar und bestrafen die Schuldigen, beziehungsweise deren Eltern. — Die Bewohner der Insel Nias führen ein Ausbleiben des Regens auf eine außereheliche Schwangerschaft zurück und untersuchen vorkommendenfalls alle jungen Mädchen im Dorfe daraufhin. Jede Schwangere, die man findet, wird mit ihrem Verführer getötet. Um dieser harten Strafe zu entgehen, kommen manche Mädchen auf den Gedanken zu behaupten, sie wären von einem bösen Geiste geschwängert worden; der Volksglaube läßt aber aus solcher Verbindung Albinos hervorgehen. Wird nun ein Kind geboren, das kein Albino ist, dann forscht man unter den jungen Männern nach, welchem es ähnlich sieht, und erklärt diesen für den Vater. Dieser mutmaßliche Verführer und das junge Mädchen werden daraufhin auf grausame Weise getötet, das Kind aber wird in einem Sack an einen Baum gehängt und dem Hungertode preisgegeben.

Phot. Dr. Arnold Heim.

Abb. 268. Ein malaiisches Opfer auf Sumatra.

Die Malaien der südöstlichen Gebiete Sumatras töten zu jedem Fest einen Ochsen. Wenn letzteres vorüber ist, wird der Kopf des Tieres in ein weißes Tuch eingeschlagen und unter das Haus des Dorfhäuptlings oder des Gastgebers gelegt.

Bei einigen Stämmen Borneos kommt auch Prostitution vor, und zwar geben sich gewisse Priesterinnen (Balian) dazu her; sie nehmen trotzdem eine geachtete Stellung unter der Bevölkerung ein. Ebenso sollen auf Java Prostituierte im herzlichen Verkehr mit ihren Angehörigen bleiben und sich nach Aufgabe ihres Gewerbes noch verheiraten können und selbst für ehrenhafte Frauen gelten. — Sehr verbreitet scheint auf Borneo und Celebes die männliche Prostitution zu sein. Diese Leute (Basir genannt) ahmen in der Kleidung und im Benehmen die Frauen nach und geben sich gegen entsprechende Bezahlung homosexuellem Verkehr hin. Wegen ihrer abnormen Veranlagung werden sie vom Volke für etwas Höheres gehalten, nehmen daher die Funktionen von Priestern wahr und gelten für Vermittler im Verkehr mit den Geistern. Manche Männer knüpfen dauernde Liebesverhältnisse mit solchen Basir an und schließen mit ihnen sogar eine regelrechte Ehe. Allerdings darf man nicht bei allen Männern, die nach Weiberart gekleidet einhergehen, annehmen, daß sie homosexuellen Neigungen nachgehen; denn es kommt auch vor, daß sie ihr Gewand geändert haben, um böse Geister, die sie jahrelang mit Unglück und Krankheit verfolgten, dadurch zu täuschen.