Abb. 305. Schön verzierter Grabpfahl mit aufgesetztem Sarg eines Kajanhäuptlings.

Auf dem Wege zum Grabe wird Asche von dem Feuer, das am Tage vorher neben der Leiche brannte, dem Sarge nachgestreut; dies geschieht, damit die Seele des Toten das Haus nicht wieder erkenne und zurückkehre, um Unheil anzurichten. Frauen dürfen dem Begräbniszug nicht folgen, sondern bleiben zurück und erheben ein lautes Wehklagen, sobald die Leiche herausgetragen wird. Der Leichenzug begibt sich entweder zu Fuß oder im Boot nach dem Begräbnisplatz. Hier wird dem Geist Pulang Gana, dem das Land gehört, Reis auf die Erde gestreut als Preis für das Grab, das er überläßt. Sodann wird ein Huhn geschlachtet, um die bösen Geister zu versöhnen. Die Särge werden etwa einen Meter tief in die Erde versenkt; dies geschieht möglichst schnell, damit man nicht etwa noch den Ruf eines Unglücksvogels vernehme. Krüge und Messinggongs, desgleichen Geräte, die für die Beschäftigung des Verstorbenen bezeichnend sind, werden auf sein Grab gelegt, Essen und Trinken wird ihm an die Seite gestellt und das Ganze mit einem Zaun umgeben. Wenn die Leidtragenden nach Haus gehen, pflanzen die letzten von ihnen Pfähle in die Erde, damit die bösen Geister ihnen nicht in die Wohnung folgen. Am dritten Tage nach dem Begräbnis bringen die Nachbarn ein Hackmesser, eine Axt, eine Tasse, einen Teller voll Reis und andere Eßwaren in den Raum, den der Tote bewohnte, und ersuchen die Verwandten, ihm davon etwas zu essen zu geben und fortan nicht mehr zu weinen. Sodann öffnen sie das Fenster mit dem Hackmesser und werfen die Speise für den Toten und seine Geistergefährten durch dasselbe hinaus. Die Verwandten nehmen in dem Zimmer fortan ihre Beschäftigung wieder auf. Zwölf Monate nach dem Todesfall findet noch ein allgemeines Fest statt, Gawai Autu genannt ([Abb. 306]), zu Ehren aller, die seit dem letzten Male, wo dasselbe veranstaltet wurde, gestorben sind. Auf jedes Grab stellt man seltsam geformte Körbe, welche die Gebrauchsgegenstände jedes Toten enthalten, damit er im Land der abgeschiedenen Seelen, im Sabayan, die Möglichkeit finde, sich seinen Lebensunterhalt zu verschaffen. Damit ist die Trauer beendet.

Phot. Ch. Hose.

Abb. 306. Dajak in Festtracht

mit erbeuteten Köpfen in den Händen, bei einem Gawai-Autu-Fest, das jedes oder alle zwei Jahre zu Ehren der Geister der Verstorbenen stattfindet, die nach dem Glauben der Dajak die Köpfe, welche in ihrem Hause hängen, umgeben. Sie hoffen dadurch in der Gunst jener Geister zu bleiben und Glück zu haben.


GRÖSSERES BILD

Bei den Javanern spielen sich die Leichenfeiern nach mohammedanischem Ritus ab. Nach dem Tode finden sich die Imame, das heißt die Geistlichen ein, sprechen einige Suren aus dem Koran über den Verstorbenen, waschen ihn — neuerdings besorgen dies häufig die nächsten Angehörigen — und hüllen ihn in ein Leichentuch, das sieben- bis achtmal um den ganzen Körper, einschließlich des Kopfes, geschlungen wird. Nach vierundzwanzig Stunden trägt man den Toten auf einer Bambusbahre, die durch einen Sonnenschirm beschattet wird, um ihn vor Sonne und Regen zu schützen, zum Grabe; Priester gehen voran und sprechen Gebete, Freunde und Angehörige folgen. In der Regel wird die Leiche, nur in ein Grabtuch eingehüllt, in einer Nische beigesetzt, die seitlich im Grabe ausgehöhlt ist und mit Brettern ausgeschlagen wird, ehe man das Grab zuschaufelt.