Phot. A. W. Nieuwenhuis.

Abb. 307. Grab einer angesehenen Kenjahfrau,

behängt mit zahlreichen Kleidungsstücken, darunter Hüten, unter denen sich auch solche von Freundinnen befinden, die sie als Zeichen besonderer Hochachtung hinhängen.

Bei den Balibegräbnissen haben sich noch die charakteristischen Gebräuche der hindostanischen Religion erhalten, nämlich den Toten zu verbrennen und seine Asche in die See zu schütten; eine Ausnahme erfährt dieser Gebrauch nur bei Kinderleichen und zu Zeiten einer Epidemie, zum Beispiel bei Pocken. Da eine Verbrennung mit großen Unkosten verknüpft ist, so bleibt die Leiche oft lange genug, unter Umständen fünf bis zehn Jahre, unbeerdigt liegen, ehe sie verbrannt wird. Da im letzteren Falle von ihr schließlich nichts mehr übrig ist, verbrennt man für sie eine Puppe aus Palmblättern; dies geschieht auch bei Balileuten, die fern von der Heimat sterben. Die Einäscherung geht auf einem pyramidenförmigen Gestell aus Bambus und Rotang, Sema genannt, vor sich, nachdem alle religiösen Förmlichkeiten erfüllt sind. Stirbt ein Prinz oder eine Prinzessin königlichen Geblütes, dann drängen sich die Frauen des ersteren und Sklaven unter lauten Klagen um den Toten und fordern eindringlich, mit ihrem Herrn oder Gatten ebenfalls sterben zu dürfen; der König trifft dann die Entscheidung hierüber. Wer dazu von ihm auserwählt wird, bekundet fortan große Ergebenheit und gilt für heilig; da er mit seinen nackten Füßen unter diesen Umständen nicht länger den Erdboden berühren darf, so werden sie in weißes Leinen gehüllt. Die Frauen des Verstorbenen bringen der Leiche ihres Mannes täglich Speise, küssen sie und benetzen sie mit ihren Tränen bis zum Tage der Einäscherung. Der frühen Zersetzung des Körpers beugt man durch Räuchern mit Benzoe vor. Am Vorabend vor dem Begräbnis schlägt die tiefe Trauer in Fröhlichkeit und Tänze um die hierfür auserlesenen Opfer um; man bietet ihnen leckere Speisen an und zwingt sie, viel starken Branntwein zu trinken, während die Priester ihnen die Freuden ausmalen, die ihrer in der anderen Welt warten. Am Tage des Leichenbegängnisses wird jeder der Mitsterbenden einzeln in einer Sänfte zum Scheiterhaufen getragen, nachdem den Göttern Opfer dargebracht wurden. Am Verbrennungsplatze geht das Opfer zunächst um seinen für ihn in Gestalt eines Troges errichteten Scheiterhaufen herum, steigt hinein, entblößt seinen Oberkörper und wird erstochen; darauf stürzen sich die weiblichen Verwandten hinzu, waschen den Körper und bedecken ihn bis zum Kopfe mit Holz, das darauf angezündet wird. Früher erlaubten die Gattinnen der verstorbenen Prinzen oder Prinzessinnen es nicht, daß jemand sie anrührte, um sie zu erstechen, weil sie sich dadurch für entweiht glaubten; sie sprangen vielmehr aus freien Stücken in den angezündeten Scheiterhaufen hinein. Unter dem Druck der holländischen Regierung ist diese Witwenverbrennung königlicher Anverwandten auf Bali fast gänzlich abgekommen.

Phot. Ch. Hose.

Abb. 308. Mausoleum der Klemantanen,

in dem zehn und mehr Särge einer Familie Aufnahme finden.

Die Bataker beerdigen entweder oder verbrennen ihre Leichen, sofern es sich um wohlhabende Personen handelt; im ersteren Falle legt man in den Sarg wohlriechenden Kampfer und leitet die sich entwickelnden Fäulnisgase durch ein Bambusrohr in die Erde. Arme Leute werden einfach in eine Matte gehüllt und begraben. Die Bataker standen früher in dem Ruf, ihre bejahrten Eltern zu essen, wenn diese nicht mehr für sich selbst sorgen konnten, damit sie ihnen nicht zur Last lägen. Um die Jahreszeit, wenn die Orangen reif waren, mußte die betreffende alte Person, die für den Festtagsbraten bestimmt war, auf einen Baum klettern, die Familie sang unten im Refrain. „Wenn die Frucht reif ist, dann fällt sie vom Baume.“ Darauf ließ sich das Opfer auf die Erde herabfallen, es wurde geschlachtet und verzehrt.