Phot. Fay Cooper Cole.
Abb. 336. Tinguian bei den Vorbereitungen für ein Opfer.
Das Medium ruft die Aufmerksamkeit der Geister auf das Opfer an, das man ihnen darbringt, darauf läßt man eine kurze Zeit verstreichen, damit sie daran teilnehmen können, und richtet die Tiere dann zum Verspeisen zu.
Die Religion der Bogobo ist der Geisterkult; für sie hat man in den Häusern besondere Vorrichtungen als Wohnung geschaffen, damit sie beständig zugegen sein und alles, was die Menschen tun, fördern können. Die Zahl der Geister ist sehr groß; sie üben einen besonderen Schutz für bestimmte Menschen aus, so zum Beispiel kümmert sich ein Geist um die Krieger, ein anderer um die Weber, ein dritter um die Messingarbeiter und so weiter. Der Geist, dem alles Eßbare gehört und der nach den Feldern und Ernten sieht, erhält einen Schrein für sich mitten auf dem Reisfeld erbaut; nachdem die Ernte eingetragen ist, wird ihm zu Ehren eine große Feier abgehalten. Ein Geist führt die Rolle des Oberhauptes aller Geister; er ist es, der die Welt erschaffen hat und der stets sein Opfer zuerst erhält, sobald irgendeine Zeremonie vollzogen wird. Ihm sind die anderen Geister auch untertan. Interessant ist der Aberglaube, daß, wenn Kinder aus zwei Familien sich heiraten, sich die besonderen Schutzgeister jeder Partei miteinander verschmelzen und fortan ein Geist werden, der das Paar beschirmt. Die Geister, die die Krieger beschützen, sind mit besonderer Macht ausgestattet und dürfen auch nur von solchen Kriegern angeredet werden, die eine oder mehrere Personen bereits getötet haben; auch ein Mann, der den Verehrer einer ungetreuen Frau umbrachte, zählt zu diesen Bevorzugten. Diese Krieger haben die Berechtigung, ein besonderes Gewand zu tragen, und wenn sie mehreren Menschen im Kriege den Garaus gemacht haben, diesem einen weiteren Schmuck hinzufügen. Gelegentlich bringt man den Schutzgeistern der Krieger ein Menschenopfer, das in einem Sklaven oder einem Gefangenen besteht; Sklaverei ist eine anerkannte Einrichtung der Bogobo und das Bedürfnis nach Sklaven führt oft zu Einfällen bei den Nachbarstämmen. Bei diesem Opfer darf ein jeder teilnehmen, der während des Jahres von Unglück geplagt wurde, oder jede Familie, in der ein Todesfall vorgekommen ist; Vorbedingung ist aber, daß dem Datu das Opfer bezahlt oder ein eigenes gestellt wird. Der zum Opfer auserlesene Sklave wird mit über den Kopf zusammengebundenen Händen an einen Baum gestellt und über ihn ein Gebet gesprochen. Darauf wird ein Speer mit sehr langem Schaft gegen seine linke Brust gerichtet und alle, die zum Kauf des Sklaven beigetragen haben, beteiligen sich insofern an dem Opfer, als sie den Schaft entweder halten oder ihn berühren. Auf ein bestimmtes Zeichen wird der Speer sodann durch das Herz gestoßen. Die Leiche erhält dann noch eine Anzahl Stichwunden und wird begraben. Hieran schließt sich eine Zeremonie, bei der zwei bekränzte Stangen hoch aufgerichtet werden, um das Ereignis zu kennzeichnen, die Krieger sich stark betrinken, ihre Taten dabei rühmen und so weiter.
Phot. Fay Cooper Cole.
Abb. 337. Ein Tinguian beim Darbringen eines Opfers für die Wächtersteine.
Diese Steine, in die der Aufenthalt der Wachtgötter verlegt wird, werden vor Beginn bestimmter Zeremonien mit Rindenbändern umwickelt und mit Öl eingerieben, darauf wird vor ihnen Reis mit Schweineblut ausgestreut.
Erkrankt ein Bogobo, so wird er in das Haus eines anderen gebracht, damit die bösen Hausgeister ihn aus den Augen verlieren und die guten der anderen Behausung sich seiner annehmen; sobald man aber den Eindruck des bevorstehenden Todes hat, wird der Kranke in sein eigenes Haus wieder zurückgebracht, damit sein Tod nicht die Aufmerksamkeit der bösen Geister auf das Haus des Freundes lenke. Stirbt ein Mensch dennoch im Hause eines anderen, so muß seine Familie für das Unglück, das sein Tod diesem sicherlich bringen wird, eine Buße zahlen. — Von einer Klasse Geister glaubt man, daß sie die Schatten des Toten verzehren und Macht besitzen, den Lebenden ein Leid anzutun; sie werden manchmal direkt als gleichbedeutend mit den Geistern der Toten betrachtet.