Bemerkenswert ist ihre reich bestickte Kleidung, die häufig noch mit Muschelreihen oder Perlen behängt wird.
Die Polygamie ist allgemein verbreitet, da der Koran mehrere legale Frauen erlaubt. Die Frauen werden meistens gekauft; ihre Stellung ist eine ziemlich hohe. Ihre Heiratsfähigkeit beginnt mit dem dreizehnten Lebensjahr. Auf den Suluinseln soll vor der Landung der Spanier die Homosexualität sehr verbreitet gewesen sein, in dem Maße, daß auf Antrag der Frauen an dem Gliede der geschlechtsreifen jungen Männer eine eigentümliche Operation vorgenommen wurde, durch die jeder gleichgeschlechtliche Verkehr unmöglich gemacht werden sollte.
Phot. W. Tams.
Abb. 348. Geisterboot von der Westküste Malakkas,
in das Opfer für die Geister gelegt werden. Diese werden eingeladen, auf ihm wegzusegeln, worauf das Boot zur Ebbe ins Wasser gesetzt wird. Die Figuren und Opfergegenstände stammen von einem solchen Geisterboot, das an der Ostküste treibend aufgefunden wurde.
Malakka oder die malaiische Halbinsel.
Die malaiische Halbinsel, die südöstliche Spitze des asiatischen Festlandes, bildete von jeher die Brücke zwischen dem letzteren, im besonderen Indochina, und den Inseln des Malaiischen Archipels und war somit den Völkerwanderungen, die teils von China, teils von Vorderindien aus im Laufe der Zeiten dieses Gebiet überfluteten, in hohem Grade ausgesetzt. Es kann daher kein Wunder nehmen, wenn wir hier einen richtigen „Völkerbrei“ antreffen, an dem die Malaien, beziehungsweise ihnen verwandte Völker den Hauptbestandteil ausmachen. Indessen bewohnen diese heutzutage vorwiegend die Küstengegenden, während im Innern noch verschiedene Stämme wilder Ureinwohner hausen, vor allem die Semang, Senoi, Sakai ([Abb. 350]) und Jakhûn oder Jokol. Die Orang ûtan, Lâut, Belenda, Tanggan und andere mehr sind entweder nur Unterabteilungen dieser Völker oder ihnen verwandte Stämme. Die Semang und Senoi weisen überwiegend die charakteristischen Züge der Negrito, also der afrikanischen Grundrasse auf, die Sakai dagegen nähern sich mehr den Australiern und den Wedda, also den Angehörigen der sinoaustralischen Grundrasse; beide Völker sind vielfach miteinander Kreuzungen eingegangen. In den Jakhûn dagegen ist bereits malaiisches Blut vertreten. Alle diese Stämme leben in der Hauptsache von der Jagd, wozu sie kleine Bogen und Pfeile, auch Blasrohre ([Abb. 349]) mit einem in den Giftsaft des Upasbaumes getauchten Geschoß benutzen, und den Erträgen des einheimischen Bodens (Yams und andere Wurzeln). Ackerbau betreiben sie nicht, wohl aber handeln sie mit Honig, Kampfer, Gummi und anderen tropischen Erzeugnissen. Feste Wohnungen kennen sie nicht; für gewöhnlich hausen sie hinter primitiven Windschirmen, unter Laubdächern, überhängenden Felsen oder Höhlen; aber auch auf Bäumen werden sie angetroffen. Schlagen sie auf ihren Wanderungen ein primitives Lager auf, dann muß ein unverheiratetes Mädchen durch Quirlen Feuer anmachen, um mit gutem Erfolge kochen zu können. Damit man stets dazu bereit ist, trägt jeder Jakhûn das erforderliche Hölzchen am Körper oder auch auf dem Stirnband von Rinde immer bei sich. — Die Semang erzeugen auch Feuer durch Sägen, das heißt durch Hin- und Herziehen einer Liane über ein Stück Holz.