Soziale Empfindungen werden im allgemeinen nicht in Worte gekleidet. Kommt man zusammen, dann starrt man sich eine Zeitlang schweigend an, bis der Jüngere das Schweigen mit einer alltäglichen Bemerkung bricht. Dann erst erfolgt eifriges Erzählen von Neuigkeiten; diesen zuzuhören bereitet dem Andamanesen ein großes Vergnügen. Wenn hingegen Verwandte zusammenkommen, dann setzt sich einer dem anderen auf den Schoß ([Abb. 376]); sie schmiegen sich fest aneinander an, weinen laut und gebärden sich überschwenglich; nach einer langen Trennung dauert dieses Verhalten unter Umständen stundenlang. Beim Abschied reicht man sich die Hand, pustet darauf und tauscht Abschiedsworte aus.
Phot. Heywood Seton-Karr.
Abb. 376. Gegenseitige Begrüßung der Andamanesen nach langer Abwesenheit.
Phot. A. R. Brown.
Abb. 377. Eheschließung der Andamanesen.
Die Andamanesen bekunden eine kindliche Vorliebe für Spiele; sie kennen ein einheimisches Blindekuhspiel, Bockspringen und ein Versteckspiel. Scheinjagden auf Tiere, Scheinbegräbnisse und Geistersuchen sind ihr Lieblingssport; sie veranstalten auch gern Wettspiele beim Schwimmen, Werfen, Schaukeln, Bogenschießen und Ringkampf. Die Beschaffung der Nahrung ist natürlich ihre Hauptbeschäftigung; dann kommt aber sogleich der regelmäßige Abend- oder Nachttanz, eine seltsame, eintönige Aufführung, bei der die Füße rhythmisch auf einem besonderen Schallbrett (einem schildartig ausgehöhlten Stück Holz, das auf einem Querholz ruht) aufschlagen, ein oder mehrere Lieder aus dem Stegreif gesungen und die Hände in gleichmäßigem Takte auf die Lenden geklatscht werden. Dieser Tanz findet jeden Abend statt, sofern sich nur genügend Teilnehmer zusammenfinden; er wird stundenlang, bei besonderen Gelegenheiten auch die ganze Nacht lang ausgedehnt. Beide Geschlechter tanzen die ihnen zugewiesenen Rollen. Diese Vergnügungen und die Schildkrötenjagd sind die einzigen Beschäftigungen, die den Andamanesen die ganze Nacht hindurch wachzuhalten vermögen.
Phot. A. R. Brown.