Die Elefantenjagd ist ein königlicher Sport. Die wilden Elefanten, die die Steppe durchstreifen, werden zu diesem Zweck zu bestimmten Zeiten in einem großen Kraal zu Ayuthia, der alten Landeshauptstadt, zusammengetrieben. Viel Volks strömt bei dieser Gelegenheit zusammen, um sich die Vorgänge, die sich abspielen, mit anzusehen; auch der König und sein Hof beobachten sie von einer Loge aus. Von den eingetriebenen Elephanten werden dann diejenigen, die gezähmt werden sollen, ausgesucht. Leute, die auf zahmen Elefanten inmitten der Herde sitzen, legen den auserwählten Tieren sehr geschickt die Endschlinge eines langen Seils um ein hinteres Bein und befestigen es an einem Pfosten ([Abb. 392]). Die wilden Anstrengungen des so eingefangenen Tieres bereiten den Zuschauern eine große Freude, ebenfalls reizt es sie, wenn die wieder in Freiheit gelassenen übrigen Elefanten von der Menge geneckt werden und dabei ein etwas zu waghalsiger Mensch den Tieren zu nahe kommt, ergriffen und getötet wird.

Phot. R. Lenz.

Abb. 391. Eine Karenfrau.

Die Karen von Siam sind reine Geisteranbeter, deren Ritus in Opfern besteht mit den sie begleitenden Festen und Trinkgelagen. Die Wahrsagekunst wird bei ihnen viel ausgeübt, hauptsächlich mit Hilfe der Knochen von geschlachtetem Geflügel. Die Frauen schmücken ihre Gewänder mit Stickereien aus Grassamen, sie tragen silberne Ringe in den Ohren und, nachdem sie verheiratet sind, ein blaues Tuch um den Kopf.

Phot. R. Lenz.

Abb. 392. Das Einfangen wilder Elefanten.


GRÖSSERES BILD

In Siam gilt die Person des Königs für ein übernatürliches Wesen und ist daher Gegenstand besonderer Heiligkeit und Verehrung. Der Volksmund behauptet, daß im Königspalaste zu Bangkok ein Dämon, Phra Deng oder der „Rote Herr“ genannt, der einst ein Halbgott war und zu Beginn der gegenwärtigen siamesischen Ära vom Himmel herabflog, mit Ketten gefangen gehalten würde und, solange er nicht entwische, dem Königshause und dem Volke Glück bringe. Bei allem, was mit dem Hofe zusammenhängt, wird eine strenge Etikette bewahrt. Die Zeremonien, die mit dem Thron in Verbindung stehen, zum Beispiel die Krönung, sind sämtlich religiöser Natur und stark mit brahmanischem Einfluß durchsetzt, allerdings hat der König Chulalongkorn bereits manchen der Riten, mit denen seine Vorgänger bedacht wurden, abgeschafft. Zu den althergebrachten Sinnbildern, wie dem Dreizack, dem Schirm und so weiter, gehört seit undenklichen Zeiten auch der weiße Elefant, ohne den, wie auch früher in Indochina, nach der Annahme des Volkes kein König echt sein könne. Es ist dies eigentlich kein direkt weißes Tier, sondern ein solches, dessen Hautfarbe pathologischen Ursprunges ist, ein Albino, denn es besitzt schmutzig graues Haar, weiße Nägel auf den Zehen und eine gelbe oder rosafarbene Regenbogenhaut. — Zweimal im Jahre schwören die Prinzenschaft, der Adel und der Beamtenstand im ganzen Lande dem König den Eid der Treue. Diese Zeremonie, die den Namen Teu Nam oder das „Wasserhalten“ führt, kann auf ein sehr hohes Alter zurückblicken, denn schon am Hofe der Könige von Brahmanisch-Indien wurde sie vor mehr als zweitausendfünfhundert Jahren abgehalten. In Bangkok findet sie in Gegenwart des Königs statt. In einem Tempel ganz dicht beim Palaste versammeln sich die Prinzen und führenden Staatsbeamten, während draußen auf den weiten Rasenflächen der äußeren Palastumgrenzung Soldaten aller Truppengattungen in blinkenden Uniformen und weiße Elefanten in glänzender Ausstaffierung Aufstellung nehmen. Unter Trommelschlag und Fanfarenklang wird der König auf einem goldenen Thron aus dem Innern des Palastes herausgetragen, Tausende von Bajonetten blitzen zum Gruße auf, Kanonen donnern und zahlreiche Militärkapellen verkünden die Nationalhymne, während Seine Majestät vor den Truppen entlang passiert und sich sodann niederläßt, um zu beobachten, wie der Hof und die Staatsbeamten zu zweien in den Palast hineingehen, vom Tische einen kleinen Becher Wasser nehmen, das besonders für diesen Zweck unter machtvollen brahmanischen Formeln geweiht wurde, ihn mit den Lippen berühren und sich durch eine Außentür wieder zurückziehen. In den Provinzen wird die gleiche Zeremonie vor den amtlichen Vertretern des Königs vollzogen.