Dieser Nationaltanz hat sich trotz aller Bemühungen der Missionare bis auf die heutige Zeit erhalten.

Mit dem Einzug der Zivilisation ist auch das Kricketspiel nach Polynesien gekommen; besonders auf Tonga nahm es eine große Verbreitung an. Ein anderes Spiel, das gleichfalls einen westlichen Beigeschmack verrät, aber doch aus den voreuropäischen Tagen stammt, ist das auf Samoa und noch weit mehr in Mikronesien sehr beliebte Schausegeln. Hierfür werden besondere Boote gebaut von dem Typus der üblichen Auslegerfahrzeuge der betreffenden Gegend, aber mit dem Unterschied, daß die Ausleger verhältnismäßig lang und die Fläche des Segels groß zum Rumpfe des Schiffes ausfallen. Zu einer bestimmten Jahreszeit werden dann Wettfahrten unternommen, bei denen sich ein großer Eifer zwischen den Besitzern der Fahrzeuge und selbst zwischen den einzelnen Dörfern entwickelt. Ein früher auf Hawai viel geübter Sport, dessen Spuren noch jetzt angetroffen werden, war das Hörnerschlittenfahren. Auf primitiven Schlitten sauste der junge Häuptling die steile Hügelseite so rasend schnell herab, daß man glaubte, es gälte sein Leben oder zum mindesten seine Glieder.

Phot. Muir & Moodie.

Abb. 33. Maori zum Hakatanz versammelt.

Der links außen befindliche Maori trägt ein Gewand, das aus Hanffasern hergestellt und mit Federn vollständig bedeckt ist.

Von sämtlichen Wassersportarten bereitet das Wassertreten den Polynesiern die größte Freude. Der junge Polynesier schwimmt mit einem kleinen Brett in die See hinaus, taucht unter die sich heranwälzenden Wellen, bis er die äußere Linie der Sturzwellen erreicht hat, wartet hier eine besonders große Welle ab, wirft sich, sobald ihre innere Höhlung ihn streift, auf sein Brett und wird mit großer Geschwindigkeit ans Land getragen. Manche Eingeborene besitzen darin eine solche Fertigkeit, daß sie ihre Wellenfahrt sogar stehend zurücklegen, wozu eine große Geschicklichkeit gehört, einmal beim Stehenbleiben auf dem Brette und zum anderen beim Ausweichen der Korallenbänke ([Abb. 36] und [farbige Kunstbeilage]).

Kanuwettfahrten bilden gleichfalls einen beliebten Sport, besonders bei den Maori. Mit zwanzig Paddlern hintereinander besetzt, erzielen diese Kanu eine beachtenswerte Schnelligkeit. Am eigenartigsten und aufregendsten sind jedoch die Hindernisrennen mit Kanus über quer über die Rennstrecke gelegte, auf eingetriebenen Pfählen ungefähr einen Fuß höher als die Wasseroberfläche ruhende Stangen. Nähert sich ein solches Kanu, das mit zwei Paddlern besetzt ist, dem Hindernis, so wirft sich der Paddler am Bug rückwärts, dadurch hebt sich das Vorderteil scharf empor und gleitet über das Hindernis hinweg nach der anderen Seite, wo das Paddeln wieder aufgenommen wird ([Abb. 37]).

Ein Sport, der den Bewohnern der Gilbertinseln und der ihnen benachbarten kleinen Insel Nauru eigentümlich ist, besteht in der Jagd auf Fregattenvögel ([Abb. 38] bis [40]), die als Lieblingstiere in Dörfern gehalten werden. Die wilden Vögel werden durch gezähmte angelockt und, sobald sie herangekommen sind, schleudern die im nahen Versteck lauernden Jäger einen langen Bindfaden, an dem ein walnußgroßes Stück harten Korallenkalkes oder einer Tridacnamuschel befestigt ist, über den Fregattenvogel hinweg, so daß die Schnur über seine ausgebreiteten Flügel fällt. Ehe er sich davon befreien kann, wird er von den Vogelfängern ergriffen. In der Regel müssen bei einem Wettkampf dreißig Vögel auf diese Weise eingefangen werden. Da sich keine Frau der Fangstelle nähern darf, so malen sich die Jünglinge, die an der Jagd beteiligt sind, einen schwarzen Ring auf das Gesicht, um dadurch ihre Beschäftigung zu bekunden. — Vogelfang mit Schlingen, einst ein beliebter Sport auf Samoa, wird bis zu einem gewissen Grade auch heute noch betrieben. Es werden dafür als Lockmittel Tauben verwendet, die in offenen, in den Wald gehängten Bauern angebunden sind und durch ihren streitsüchtigen Charakter vorbeifliegende Vögel zum Kampfe herausfordern und in das Bauer locken sollen, um darin von den im Versteck liegenden Jägern gefangen zu werden. Die auf solche Weise erbeuteten Vögel werden als Lieblingstiere gehalten und sorgfältig mit Taro gefüttert, selbst wenn die eigene Nahrung knapp wird. Den Vögeln des Häuptlings wird eine besondere Achtung gezollt und sie werden, wenn man sich mit ihnen abgibt, mit denselben feierlichen Redewendungen angeredet, in denen man zu ihrem Herrn spricht.