Phot. H. J. Iles.
Abb. 34. Darsteller eines mimischen Tanzes der Maori.
Die Tänze, die einen mimischen Charakter tragen, kommen in der Tat einer Pantomime gleich. Die Tänzer tragen den früher üblichen Rock aus Flachsfasern.
Von den Sterbe- und Totengebräuchen wollen wir nur die alten Sitten auf Samoa etwas eingehender schildern. Fühlte in früheren Zeiten ein Familienvater sein Ende bevorstehen, dann ließ er durch ausgesandte Boten sämtliche Angehörige um sich versammeln. Alle feinen Matten, die die Familie besaß — sie stellten einen hohen Wert dar — wurden vor ihm angehäuft, damit er zum letzten Male an diesem seinem Reichtum sein Herz erfreue. Darauf brach ein lautes Klagen und Weinen aus, und die Götter des Todes wurden um Mitleid angefleht; dabei schlugen sich die Jammernden die Köpfe mit Steinen blutig oder ritzten sich die Haut mit Haifischzähnen. Wenn trotzdem der Tod sich einstellte, so wurden diese Götter, deren Hilfe man soeben noch angerufen harte, gehörig beschimpft, weil sie nicht geholfen hatten. Der Leichnam wurde nun von alten Frauen mit Kokosnußöl eingerieben und auf einem Lager von Rindenstoffen aufgebahrt, in seltenen Fällen, das heißt wenn es sich um Häuptlinge handelte, auch einbalsamiert. Währenddessen schaufelten die jungen Leute in der Nähe der Hütte ein nur wenige Fuß tiefes Grab und bekleideten den Boden und die Seiten mit Korallenstücken; sie legten die Leiche bald nach dem Tode hinein und schlossen die Grube ebenfalls mit Korallensteinen. Auf dem darüber errichteten Hügel häuften sie in den folgenden Tagen Lavasteine auf, so daß oft ein nach oben stufenweise sich verjüngender Kegel entstand. Im Sterbehause war es den Angehörigen verboten, Speise und Trank zu sich zu nehmen bis die Beerdigung beendet war, nur die Totenfrauen durften davon eine Ausnahme machen, sie wurden aber gefüttert, weil ihnen jegliche Speise zu berühren untersagt war. Nach der Beisetzung dagegen fand ein Leichenschmaus statt, mit einem sich daran anschließenden, bis tief in die Nacht hinein dauernden wilden Tanz. Starb jemand nicht in seiner Behausung, sondern durch Zufall im Freien oder eines gewaltsamen Todes, so glaubte man, daß seine Seele in irgend einer Tiergestalt umherirre und, falls sie nicht eingefangen und mit dem Körper begraben würde, als böser Dämon (Aïtu) sehr schaden könne. Daher breitete man an der Stelle, wo der Tod den Verstorbenen ereilt hatte, ein großes Stück Tapa aus und wartete, bis irgend ein Tier, entweder eine Eidechse oder Heuschrecke oder auch nur eine Ameise, sich darauf zeigte. Sofort schlug man in der Annahme, daß dieses Geschöpf die Seele beherberge, das Tuch über ihm zusammen und legte es dem Toten mit ins Grab. Von nun an hatten der Verstorbene und seine Angehörigen Ruhe; ersterer konnte nunmehr seine Reise nach der Unterwelt antreten, deren Eingang auf die stark vulkanische Insel Sawai verlegt wurde. Das Abfangen der Seele ist noch heute üblich. — Geht das Leben eines Häuptlings auf Samoa seinem Ende zu, dann ist natürlich das Sterbegefolge ein noch viel größeres, denn es versammeln sich um ihn alle seine Lehnsleute. Von besonderer Wichtigkeit ist dabei die Anwesenheit seiner Schwester, damit jedweder, wenn auch nur geringfügiger Streit zwischen beiden beigelegt werde, denn der Fluch einer Schwester gilt für das größte Unheil. Auf der ganzen Insel wird nach dem Tode umfangreiche Trauer angelegt. Vielfach zieht der Tod eines Häuptlings besondere Folgen nach sich. Auf Hawai führte der Heimgang des obersten Herrschers in früheren Tagen eine Neueinteilung aller Ländereien, die seine untergeordneten Häuptlinge im Leben von ihm erhalten hatten, und oft genug dieserhalb Streitigkeiten und selbst Kämpfe unter ihnen herbei. Auf Tonga wurde gelegentlich des Todes König Georgs I. ein strenges Tabu auf alle Arten von Beschäftigungen erlassen; diese Einstellung jeglicher Arbeit und der große Aufwand beim Begräbnis brachten die ohnehin schon in finanziellen Nöten sich befindliche Insel beinahe zum Bankrott.
Phot. F. Danvers Power.
Abb. 35. Ringkampf auf den Elliceinseln.
Der Ringende fordert seinen Gegner dadurch zum Kampfe auf, daß er ihn dreimal auf die Brust schlägt. Der Kampf ist entschieden, wenn einer der Ringer einmal zu Boden geworfen ist.
Phot. H. J. Shepstone.