Abb. 449. Leichenzug in Kambodscha.

Im Vordergrunde wird in einer Sänfte unter einem großen Schirm der „Führer der Seele“ einhergetragen. Er steht mit dem Sarg durch ein langes weißes Band in Verbindung, dessen eines Ende auf seinem Kopf, das andere an einem baumwollenen Halsband des Toten befestigt ist.

Phot. A. Cabaton.

Abb. 450. Szene aus einem Begräbnisse in Kambodscha.

Auf der Sänfte wird der Katafalk mit dem Toten getragen. Oft wartet man in einer Familie, bis mehrere Tote für die sehr kostspielige Verbrennung beisammen sind.

Phot. A. Cabaton.

Abb. 451. Hand eines vornehmen Annamiten.

Das Kind der Kambodschaner erhält im Alter von sechs Monaten seinen Namen; dieser feierliche Augenblick wird mit allerlei Förmlichkeiten begangen. Sobald das „Haarbüschel rasiert“ wird — eine Vorschrift für beide Geschlechter — wird der Name geändert. Hierauf suchen die Knaben als Novizen das Kloster auf, um hier unterwiesen zu werden. Nach Abschluß ihrer Lehrzeit nehmen sie Aufenthalt im Gemeindehaus und bleiben hier bis zu ihrer Hochzeit. Ein Stelldichein mit jungen Mädchen ist nicht erlaubt; die Kambodschaner legen großen Wert auf Jungfräulichkeit vor der Ehe. Die jungen Mädchen leben mit ihren Eltern zusammen, bis sie in das Reifealter kommen. Dann müssen sie auf Verlangen ihrer Eltern „in den Schatten treten“. An dem Abend, wo sich bei ihnen die ersten Regeln zeigen, befestigen die Eltern Baumwollfäden um das Handgelenk und bringen den Ahnen ein Opfer dar, bestehend in Speisen, Kerzen und Räucherwerk, wobei sie ihnen dieses Ereignis förmlich kundgeben. Gleichzeitig pflanzen sie einen Bananenbaum, dessen Früchte entweder das junge Mädchen genießt oder an die Mönche schickt. Darauf zieht es sich für längere Zeit zurück; diese Abgeschlossenheit währt einige Monate bis mehrere Jahre, je nach der Lebensstellung und dem Vermögen der Familie. Es werden ihm von den Eltern gute Lehren mitgegeben, die etwa lauten: „Laß dich vor keinem fremden Manne sehen, nimm ebenso wie die Mönche deine Speise nur zwischen Sonnenaufgang und Mittag ein, iß nur Reis, Salz, Kokosnuß, Erbsen, Sesam und Früchte, enthalte dich des Fleisches und Fisches; bade dich nur, wenn die Nacht eingetreten ist, das heißt wenn keiner dich mehr erkennt, damit du von keinem Menschen gesehen wirst.“ Während der ganzen Zeit seiner Abgeschlossenheit bleibt das Mädchen tagsüber im Hause, es geht nicht einmal nach der Pagode; nur während der Dunkelheit wird es von dieser Pflicht befreit. Dann steckt es ein Betelmesser und den Behälter für den zum Betelkauen erforderlichen Kalk zu sich, zündet Lichter und Räucherkerzen an und geht hinaus, um das Ungeheuer, das die Finsternis schickt, indem es die Sterne zwischen den Zähnen schüttelt, anzubeten und Glück für sich herabzuflehen. Das „Heraustreten aus dem Schatten“ wird wiederum durch Gebete und ein Festessen feierlich begangen. Manchmal schließt sich hieran das Färben der Zähne, das sonst meistens bei der Heirat stattfindet. Bei den jungen Männern wird diese Zeremonie entweder bereits bei der Aufnahme in den Mönchorden oder bei der Heirat vorgenommen. Der Vorgang spielt sich für ein junges Mädchen unter allerhand Förmlichkeiten ab. In seiner Abwesenheit breitet ein weiser Mann auf der Erde ein Baumwolltuch aus, legt darauf zunächst acht Strohhalme in der Richtung der Himmelsgegenden, einen Napf aus Kokosnußschale, ein Webeschiffchen und einen Bronzebecher, streut dann noch ungedroschenen Reis darauf, so daß die Gegenstände bedeckt sind, streicht das Ganze glatt und deckt es mit den Zipfeln des Tuches zu. Auf dem so zubereiteten Sitz läßt er das Mädchen Platz nehmen. Nachdem einige Gebete gesprochen worden sind, stampfen zwei alte Leute, Mann und Frau, in einem Mörser Lack, und sieben Knaben ahmen das Stampfen mit Bananenzweigen nach; sie singen dabei den Refrain: „Großvater Kuhê, Großmutter Kuhê, stampft den Lack gut, damit er an den Zähnen hängen bleibe.“ Jedesmal, wenn sie das Wort stampfen aussprechen, lassen die beiden alten Leute den Stampfer in dem Mörser niederfallen. Ist der Lack genügend zerkleinert, dann wird er noch durch ein Stück Musselin gesiebt. Daraufhin wird ein Kokosblatt in der Form eines menschlichen Gebisses zugeschnitten, ein Stückchen Baumwollzeug mit dem flüssig gemachten Lack getränkt und dem Mädchen auf die Zähne gelegt, damit es beides bis zum Morgen im Munde liegen läßt; es darf nur in Pisangblätter speien, die nach Form eines Näpfchens zusammengenäht sind. Um Mitternacht werden dann die bösen Geister beschworen und gegen Morgengrauen brechen die sieben Knaben im Zuge in die Nachbarschaft auf, um auf die Hühner und Enten der Eingeladenen Jagd zu machen. Bei Tagesanbruch verläßt das junge Mädchen das Haus und betet die Sonne an, indem es sich vor ihr dreimal in den Staub wirft. Der alte Großvater macht darauf die Bewegung, als ob er ihm mit Hammerschlägen die Zähne ausschlagen wollte und bestreicht es mit Ruß. Schließlich muß sich das Mädchen noch vor dem Hausaltar niederwerfen.